Für Ärzte und Therapeuten

Biofilm-Neubildung bei bakterieller Vaginose verhindern

Bei der Behandlung einer bakteriellen Vaginose ist Metronidazol das Mittel der Wahl. Die Symptome bessern sich bei einem Großteil der Patientinnen nach der Behandlung, doch drei Monate später erleiden etwa 30 Prozent einen Rückfall.
Das Bakterium Atopobium vaginae und der Biofilm, der bei einer bakteriellen Vaginose entsteht, können der Grund für die hohe Rückfallrate sein.

Ein erhöhter pH-Wert ist in vielen Fällen ein erster Hinweis auf eine Fehlbesiedlung mit Anaerobiern. Aber nicht immer ist der pH-Wert erhöht, wenn eine bakterielle Vaginose vorliegt. Auch bei normalem pH-Wert können pathogene Keime vorhanden sein.
Die heute gängige Differentialdiagnostik mithilfe des Mikroskops ist für die Diagnostik oft nicht ausreichend, denn Atopobium vaginae lässt sich im Mikroskop nicht von den Laktobazillen unterscheiden. Das Bakterium ist jedoch an etwa 80 Prozent der bakteriellen Vaginosen beteiligt. Das kann zu Fehlbehandlungen führen, da Metronidazol nur in sehr hohen Konzentrationen gegen Atopobium vaginae wirksam ist.

Biofilm schützt Bakterien

Schuld daran ist der Biofilm, in dem sich Atopobium vaginae bevorzugt ansiedelt.

Ein Biofilm ist eine dünne Schleimschicht, die die Bakterien selbst bilden können und in die sie sich einbetten. Biofilme sind immer nach einem ähnlichen Prinzip aufgebaut: Auf einer geeigneten Oberfläche setzen sich die ersten Bakterien fest. Aus ihnen entwickeln sich kleine Kolonien, die makromolekulare Substanzen ausscheiden. Das bietet wiederum anderen Bakterienarten geeignete Lebensbedingungen. Sie lagern sich an und der Biofilm wächst – bis zu einer maximalen Dicke, bei der sich Biofilmbildung und Abtrag die Waage halten.
Ein Biofilm kann viele verschiedene Bakterienarten enthalten, die dort gute Lebensbedingungen vorfinden. Die Bakteriengemeinschaft versorgt sich gegenseitig mit Nährstoffen und die sie umgebende Schleimschicht schützt vor Zugriffen von außen.

Bei einer symptomatischen bakteriellen Vaginose sind Teile des vaginalen Epithels von einem Biofilm überzogen. Die Bakterien können dort höhere Konzentrationen erreichen und resistenter gegenüber Immunsystem und Antibiotika sein.

Biofilmbildung nach Antibiose verhindern

Haben Bakterien die Antibiose im Biofilm überlebt, können sie sich anschließend wieder vermehren. Nach einer Antibiotikatherapie zur Behandlung einer bakteriellen Vaginose ist deshalb eine Nachsorge über Zäpfchen mit ätherischen Ölen sinnvoll: Die Öle können bei der richtigen Auswahl antibakteriell wirken und den Wiederaufbau des Biofilms verhindern.

Das Aromatogramm zeigt, welche ätherischen Öle die nachgewiesenen Erreger im Wachstum hemmen. PD Dr. Andreas Schwiertz, Leiter der Abteilung Forschung und Entwicklung am Institut für Mikroökologie in Herborn, erläutert: „Unsere Mitarbeiter streichen die isolierten Erreger auf Nährböden aus und legen dann Plättchen darauf, die verschiedene ätherische Öle enthalten.“ Anschließend komme der Nährboden in einen Brutraum, bis ein dichter Bakterien- oder Pilzrasen gewachsen ist. „Ist ein ätherisches Öl gegen den ausgestrichenen Erreger wirksam, bildet sich ein Hof um das Plättchen, in dem der Erreger nicht wachsen“, erklärt Schwiertz weiter.
Der Apotheker kann die wirksamsten Öle dann zu einem Vaginalsuppositorium verarbeiten.

Sinnvoll ist es auch, eine gesunde Vaginalflora gezielt mit milchsäurebildenden Bakterien aufzubauen.

Die VaginalStatus-Diagnostik des Instituts für Mikroökologie weist die wichtigsten Erreger einer bakteriellen Vaginose nach und gibt Empfehlungen für wirksame Öle. Eine Abrechnung von VaginalStatus und Aromatogramm zulasten der gesetzlichen Krankenkasse ist möglich. Im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge belasten VaginalStatus und Aromatogramm nicht das Budget.


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