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Dr. Thomas Ellwanger erklärt • mikrooek.de
Bauch einer jungen Frau wird untersucht

Für Patienten

Ist ein Reizdarm immer ein Reizdarm?

Dr. Thomas Ellwanger erklärt:



Viele kennen das nur zu gut: immer wieder Bauchschmerzen, Krämpfe, einen aufgeblähten Bauch, dazu Durchfall oder Verstopfung nicht selten sogar beides im Wechsel. Viele Betroffene durchlaufen über Jahre eine Odyssee von Arzt zu Arzt – immer in der Hoffnung auf Hilfe - in der Hoffnung auf die zündende Idee, die Linderung verschafft. Und leider endet diese Odyssee allzu oft in Hilflosigkeit und Verzweiflung, weil keine wirkliche Ursache gefunden wird. Ein Ende des Leidenswegs scheint nicht in Sicht.

Denn schwere Erkrankungen hat der behandelnde Arzt durch gezielte Untersuchungen wie Spiegelungen, Ultraschall und Blutuntersuchungen bereits ausgeschlossen. Am Ende werden die Betroffenen dann mit dem Begriff „funktionelle Darmbeschwerden“ konfrontiert. Die viel bekanntere Bezeichnung ist jedoch das „Reizdarmsyndrom“.

Und dann? Keine Ursache gefunden – heißt das froh sein zu dürfen, dass nicht Ernstes dahintersteckt, aber dennoch irgendwie damit leben zu müssen? Viele fügen sich dann in ihr Schicksal aus chronischen Bauchbeschwerden.

Oft zu Unrecht!

Wenn wir aber über den üblichen diagnostischen Tellerrand hinausschauen, werden wir feststellen, dass noch längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Denn hinter den funktionellen Beschwerden kann sich viel mehr verbergen: Was wir zum Beispiel sehr oft sehen sind Störungen der Darmflora oder so genannte Typ-III-Allergien. Außerdem spielen auch Kohlenhydratintoleranzen oder eine Histaminintoleranz eine Rolle. Das Bemerkenswerte daran ist: All diese Erkrankungen oder Störungen lassen sich nicht nur gut nachweisen, sondern auch gut behandeln.

Werfen wir mal einen genaueren Blick auf die Ursachen:

Generell kann eine gestörte Darmflora Verdauungsbeschwerden hervorrufen. Nicht selten tritt das „Reizdarmsyndrom“ nach einer Infektion oder einer Therapie mit Antibiotika auf, die die Zusammensetzung der Darmflora empfindlich stören kann.

Bei einer Typ-III-Allergie zum Beispiel reagiert der Körper auf bestimmte Lebensmittel mit einer Immunreaktion, die sich verstärkt, je mehr der Betroffene von dem Lebensmittel isst. Der Mechanismus ist ein anderer als bei der bekannten Typ-I-Allergie, bei der bereits kleinste Mengen eines Lebensmittels im ungünstigsten Fall lebensbedrohliche Immunreaktionen auslösen können. Solche Reaktionen treten bei der Typ-III-Allergie zwar nicht auf, dennoch können solche Allergien zu starken chronischen Darmbeschwerden führen.

Bei den Kohlenhydrat-Intoleranzen wie der Laktose-Intoleranz oder der Fruktose-Intoleranz kann der Dünndarm die Zucker nicht spalten und aufnehmen und sie gelangen unverändert in den Dickdarm. Dort machen sich die Dickdarmbakterien darüber her und produzieren jede Menge Gase, die schmerzhafte Blähungen und Stuhlunregelmäßigkeiten verursachen.

Auch eine Histaminintoleranz kann hinter den Verdauungsbeschwerden stecken. Den Entzündungsbotenstoff Histamin, der allergieähnliche Symptome auslöst, produzieren wir selbst und nehmen ihn zusätzlich noch über Lebensmittel auf. Bei einer Histaminintoleranz kann der Körper das Histamin nicht richtig abbauen. Die Folge sind zum Teil heftige Bauchbeschwerden.

In all diesen Fällen kann eine Anpassung der Ernährung in Verbindung mit einer naturheilkundlichen Therapie eine deutliche Linderung, ja sogar ein Verschwinden der Beschwerden bringen. Deshalb kann ich ganz klar sagen: ein Reizdarmsyndrom ist sogar ziemlich oft kein Reizdarmsyndrom!

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