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Darmflora und Allergie • mikrooek.de
Lebensmittel wie Fisch, Gemüse und Brot

Für Patienten

Allergie: Die Darmflora entscheidet mit

In unserem Bauch verbirgt sich ein Organ mit einer riesigen Oberfläche: Acht Meter Darm schlängeln sich auf engstem Raum, die Schleimhaut im Inneren ist noch einmal stark gefaltet und zusätzlich mit Zotten versehen, die wie Millionen kleine Finger ins Darminnere ragen. Damit bringt es die Darmoberfläche auf eine Größe von zwei Tennisplätzen. So kann sie effektiv Nährstoffe aus unserer Nahrung ziehen – gleichzeitig muss sie aber Schadstoffe und Allergene auf großer Fläche abwehren.

Mit der schwierigen Aufgabe ist der Darm aber nicht allein: Ihn bevölkert eine Vielzahl an unterschiedlichen Mikroorganismen – insgesamt sind es ungefähr so viele wie unser Körper Zellen besitzt. Experten nennen die Gesamtheit der winzigen Lebewesen „Mikrobiom“. Andere Bezeichnungen sind Darmflora, intestinale Mikroflora oder Mikrobiota.

Was leisten unsere Darmbakterien?

Mit ihrem vielfältigen Stoffwechsel unterstützen die Darmbakterien unsere Verdauung und unsere Nährstoffaufnahme. Über ihre Oberflächenstrukturen und spezielle Botenstoffe senden sie Signale an unseren Stoffwechsel und unser Immunsystem. Das hat große Auswirkungen auf unsere Gesundheit.

Gesundheitsfördernde Darmbakterien:

  • verdauen die Nahrung vor,
  • bilden Vitamine,
  • ernähren die Darmschleimhaut,
  • senken den Appetit und wirken Diabetes entgegen,
  • wehren schädliche Erreger ab,
  • trainieren das Immunsystem und
  • wirken anti-entzündlich.

Bei Unverträglichkeiten und Allergien spielt die Durchlässigkeit der Darmschleimhaut eine große Rolle. Für deren Gesundheit und Leistungsfähigkeit sind die Darmbakterien unentbehrlich, da sie Vitamine bilden und die Schleimhaut mit ihrer Hauptnahrungsquelle Buttersäure versorgen. Um die Buttersäure produzieren zu können, benötigen die Bakterien Ballaststoffe in der Nahrung.

Eine gut genährte Darmschleimhaut kann ihre Schleusenfunktion erfüllen: Sie nimmt gezielt die benötigten Nährstoffe auf und hält Allergene und Schadstoffe weitgehend fern.

Kein Platz für Krankheitserreger

Die Darmflora verdrängt krankheitserregende Bakterien allein schon über ihre Masse. Den schädlichen Bakterien, Viren und Pilzen bleiben nicht genügend Platz und Nährstoffe, um sich vermehren zu können. Das kommt auch der Schleimhaut zugute, denn Krankheitserreger können deren Durchlässigkeit erhöhen und Entzündungen auslösen, während gesundheitsfördernde Bakterien anti-entzündlich wirken und die Barrierefunktion der Schleimhaut stärken.

Bakterien der Darmflora trainieren außerdem ständig das körpereigene Immunsystem. Dadurch lernt das Immunsystem einerseits Toleranz gegenüber an sich ungefährlichen Stoffen wie Allergenen. Andererseits aktivieren die Bakterien Abwehrzellen in der Darmschleimhaut, die vor Krankheitserregern schützen. Die abwehrverbessernde Wirkung bleibt nicht auf den Darm beschränkt, sondern erreicht über das Lymph- und Blutsystem auch die Atemwege, die Harnwege, die Haut, die Brustdrüsen von Stillenden und die Speicheldrüsen. Ohne das bakterielle Training wäre unser Immunsystem nicht funktionsfähig.

Die Bakterien im Darm beeinflussen sich gegenseitig. Zusätzlich steuern äußere Faktoren wie die Ernährung, die Lebensweise und die Einnahme von Medikamenten die Zusammensetzung der Gemeinschaft. Aus all den Wechselwirkungen ergibt sich ein Milieu im Darm, das sich bei Gesunden in einem stabilen Gleichgewicht befindet. Eine Verschiebung des Gleichgewichts kann die Funktion von Darm und Immunsystem stark beeinträchtigen.

Was passiert, wenn gesundheitsfördernde Darmbakterien fehlen?

Drängen Fehlernährung, anhaltender Stress oder die Einnahme von Antibiotika die nützlichen Bakterien zurück, können sie ihren Aufgaben nicht mehr nachkommen. Sie halten die schädlichen Bakterien nicht mehr in Schach und das Risiko für Entzündungen steigt. Die Darmschleimhaut wird durchlässiger und Schadstoffe, Allergene und Bakterienbruchstücke können über den Darm in die Blutbahn gelangen. Das Blut verteilt die Stoffe im ganzen Körper, wo sie unterschwellige Entzündungen auslösen können.
Die Folge: Das Risiko für Allergien, Übergewicht, Diabetes und andere Erkrankungen des metabolischen Syndroms steigt drastisch an. Damit erhöht sich auch das persönliche Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Für die gesundheitsfördernden Bakterien bedeutet unsere moderne Ernährung Hunger: sie ist reich an tierischen Fetten und Zucker, aber arm an Ballaststoffen. Einige, wichtige Darmbakterien brauchen aber Ballaststoffe, um zu überleben.

Ballaststoffe kommen in Lebensmitteln wie Obst und Gemüse reichlich vor. Auch Getreide enthält Ballaststoffe. Essen wir viele Ballaststoffe, füttern wir die richtigen Bakterien im Darm: Sie vermehren sich und mit ihnen ihre gesundheitsfördernden Effekte. Das stärkt den gesamten Körper im Kampf gegen drohende oder auch schon bestehende Krankheiten.

Natürlich bedeutet das nicht, dass wir uns nur von Obst und Gemüse ernähren müssen. Es kommt auf ein ausgewogenes Verhältnis der Nahrungsbestandteile an.

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