Arzt misst Blutdruck beim Patienten und trägt Wert in Tabelle ein

FÜR ZAHNÄRZTE

Parodontitis fördert Hypertonie

Bei der Parodontitis hat sich das mikrobielle Keimspektrum im Mund verändert und der Zahnhalteapparat ist bis in tiefliegende Strukturen hinein entzündet. Damit steigt das Risiko für einen Zahnverlust - aber auch Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfälle werden im Zusammenhang mit einer Parodontitis diskutiert. In einer Fall-Kontroll-Studie1 haben Wissenschaftler jetzt untersucht, wie sich eine Parodontitis auf den mittleren arteriellen Blutdruck bei ansonsten gesunden Personen auswirkt.

Für ihre Studie rekrutierten die britischen und spanischen Wissenschaftler 500 Probanden, von denen 250 an einer Parodontitis litten, ansonsten aber völlig gesund waren. Die anderen 250 Personen ohne Parodontitis dienten als gesunde Kontrollen, die in Alter, Geschlecht und Body-Mass-Index der ersten Gruppe entsprachen.

Um den Zustand der systemischen Entzündung zu ermitteln, bestimmten die Wissenschaftler das hochsensitive C-Reaktive Protein (hs-CRP) und die Anzahl der Leukozyten.


Höherer Blutdruck bei Parodontitis-Patienten

Das Ergebnis: Bei den Probanden mit Parodontitis lag der Blutdruck im Mittel systolisch um 3,36 mm und diastolisch um 2,16 mm Hg höher als bei den Kontrollpersonen. Außerdem hatten die Parodontitis-Patienten eine höhere Wahrscheinlichkeit, einen systolischen Blutdruck über 140 mm Hg zu entwickeln - unabhängig von gängigen kardiovaskulären Risikofaktoren. Bei 14 Prozent der Probanden mit Parodontitis lag der Blutdruck über 140 mm Hg, bei den Kontrollpersonen waren es dagegen nur 7 Prozent. Litten die Probanden an einer Gingivitis, war ihr Blutdruck ebenfalls bereits erhöht.

Auch die Werte für eine systemische Entzündung waren bei den Parodontitis-Patienten erhöht – aber die Studienautoren sahen hierin nicht die Ursache für die erhöhten arteriellen Blutdruckwerte.


Meta-Analyse stützt Ergebnisse

Schon zuvor hatten die Wissenschaftler in einer Meta-Analyse2 den Zusammenhängen nachgespürt. Dabei zeigten 25 eingeschlossene Studien eine höhere Prävalenz für Bluthochdruck bei Patienten mit diagnostizierter Parodontitis im Vergleich zu Probanden ohne Parodontitis. Dabei waren die Blutdruckwerte für die Parodontitis-Patienten sogar noch stärker erhöht als in der aktuellen Studie: systolisch im Mittel um 4,49 mm Hg und diastolisch im Mittel um 2,03 mm Hg.

Insgesamt kamen die Autoren der Meta-Analyse zu dem Schluss:

Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Parodontitis haben im Vergleich zu Kontrollpersonen ohne Parodontitis eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine Hypertonie. Sie ist umso höher, je schwerer die Parodontitis ist.


Pro-inflammatorische Marker ebenfalls erhöht

Drei Studien der Meta-Analyse schlossen systemische Biomarker ein, die mit Hypertonie und Parodontitis assoziiert sind. Eine davon untersuchte die Serumspiegel neutrophiler Enzyme: Dabei fanden die Wissenschaftler erhöhte Spiegel von Matrixmetalloproteinasen MMP-8 und MMP-9, Myeloperoxidase und neutrophiler Elastase - sowohl bei Hypertonie- als auch bei Parodontitis-Patienten, nicht aber bei den gesunden Kontrollprobanden.

Die zweite Studie berichtete von erhöhten Markern wie MMP-8, CRP und TNF-α, wenn bei den Probanden Parodontaltaschen vorlagen – allerdings unabhängig vom Blutdruck. Die dritte Studie maß thrombotische Parameter bei Hypertonie-Patienten mit Parodontitis, unter anderem die Thrombozytenzahl und Fibrinogen: 48 Stunden nach einer Parodontitis-Behandlung stiegen die Werte an, sechs Wochen später sanken sie jedoch signifikant ab.

Auch anderen Studien zufolge nahmen pro-inflammatorische Marker nach einer Parodontitistherapie ab. Und wie eine Studie3 der Universitätszahnklinik Würzburg berichtete, kann eine erfolgreiche Parodontitis-Therapie nicht nur den Blutdruck senken, sondern auch die Gefäßsteifigkeit mindern.


Die ParoControl-Diagnostik weist eine Dysbiose im subgingivalen Bereich nach, die die Entstehung einer Parodontitis vorantreibt. Dadurch lässt sich die Ursache der Parodontitis gezielt behandeln - nicht nur mit Hilfe von Antibiotika, sondern auch mittels ätherischer Öle.


Bakterien bringen Entzündung in Blutgefäße

Bei der Parodontitis bleibt das Entzündungsgeschehen nicht auf den Zahnhalteapparat beschränkt, weil die orale Mikrobiota über offene Wunden vermehrt in den Blutkreislauf gelangen kann. Dort veranlassen die Bakterien das Immunsystem, pro-inflammatorische Botenstoffe auszuschütten, die zum Beispiel die Wände der Blutgefäße verändern können. Die Gefäße verlieren dadurch an Elastizität und die Gefäßsteifigkeit lässt den Blutdruck ansteigen – das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfälle steigt.
Bei einem durchschnittlichen Blutdruckanstieg von 5 mm Hg erhöht sich das Sterberisiko durch Herzinfarkt oder Schlaganfall laut der Autoren um 25 Prozent.

Viele weitere Studien bestätigten den Zusammenhang zwischen bakteriellen Infektionen und Arteriosklerose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und dem Risiko für einen Schlaganfall4.

Einfluss auf SARS-CoV-2 und Insulinresistenz

Bluthochdruck ist wiederum mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf einer SARS-CoV-2-Infektion verbunden5.
Pro-inflammatorische Botenstoffe erhöhen obendrein die Insulinresistenz6 und in der Folge den Blutzuckerspiegel. Bereits in 1998 beschrieben Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen Übergewicht, dem Glukosetoleranzstatus und einer Parodontitis7.


Weitere Informationen

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