Für Ärzte und Therapeuten

'M2-PK' ist Schlüsselenzym für Krebsdiagnostik

Krebszellen gewinnen ihre Energie nicht aus dem Abbau von Zucker zu Kohlendioxid und Wasser, sondern aus energiereichen Zwischenstufen des Zuckerabbaus. Die Erkenntnis bestätigt die vor mehr als 80 Jahren entwickelte Hypothese des deutschen Nobelpreisträgers Otto Warburg, wonach eine veränderte Energiegewinnung im menschlichen Stoffwechsel charakteristisch ist für Krebs. Hierbei kommt dem Schlüsselenzym 'M2-PK' eine entscheidende Rolle zu, wie Wissenschaftler der Harvard Medical School im Fachmagazin 'Science' berichteten.

Die Ergebnisse der Untersuchung stellen eine deutliche Richtungsänderung auf dem Gebiet der Krebsforschung dar und bestätigen zugleich frühere Erkenntnisse von Wissenschaftlern wie Warburg, Eigenbrodt und Mazurek, wonach Tumorzellen eine für sie charakteristische Isoform des glycolytischen Schlüsselenzyms Pyruvatkinase exprimieren. M2-PK ist das Synonym sowohl für die dimere als auch tetramere Form des Pyruvatkinase-Isoenzyms Typ M2 (auch PKM2). Die dimere Form der M2-PK überwiegt in Tumorzellen. M2-PK kann deshalb in Stuhlproben zum Screening auf Darmkrebs und im Blut zur Therapie- und Verlaufskontrolle verschiedener Tumorerkrankungen eingesetzt werden.

Biomarker M2-PK in Stuhlproben zur Früherkennung von Darmkrebs und -Polypen

Klinische Studien aus Deutschland, England und Irland, in denen der Nachweis der M2-PK im Stuhl als Stoffwechselmarker zur Früherkennung von Darmkrebs getestet wurde, ergaben für die M2-PK Erkennungsraten zwischen 78% und 97%. Dies bedeutet, dass von 100 an Darmkrebs erkrankten Personen in den verschiedenen Studien zwischen 78% und 97% durch den M2-PK Stuhltest erkannt wurden. Für Polypen > 1 cm lag die Erkennungsrate bei 60%; für Polypen <1cm bei 25%. Für alle Polypen ergab sich eine Sensitivität von 40%.

Mit dem Biomarker 'M2-PK' im Stuhl ist es damit ohne den Nachweis von Blut möglich, sowohl sehr sensitiv Darmpolypen als auch Darmtumoren zu erkennen. Der Nachweis ist unempfindlich gegenüber Nahrungsmitteln, eine spezielle Diät ist nicht erforderlich. Es gibt keine falsch positiven Ergebnisse durch Hämorrhoiden oder andere Blutungen im Darm. Nachgewiesen werden damit sowohl blutende als auch nicht blutende Darmpolypen oder Tumoren.

Quelle: Science 17 September 2010: Vol. 329. no. 5998, pp. 1492-1499


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