Gewitter im Bauch und im Gehirn

FÜR ÄRZTE UND THERAPEUTEN

Silent-Inflammation-Check

bei depressiven Verstimmungen und Schlafstörungen

Bei chronischen Erkrankungen gehen körperliche und psychische Beschwerden oft Hand in Hand. Die körperlichen Symptome können nicht ausheilen, wenn wir die psychischen Beschwerden nicht mit behandeln und umgekehrt können körperliche Fehlfunktionen psychische Erkrankungen vorantreiben. So verhält es sich auch bei Abdominalbeschwerden aus dem Symptomenkomplex des Reizdarmsyndroms mit Leaky Gut und depressiven Verstimmungen und Schlafstörungen. Chronische Schmerzen und das Metabolische Syndrom sind ebenfalls häufig mit einem Leaky Gut assoziiert und können die psychischen Beschwerden begleiten.

Der Tryptophan-Stoffwechsel mit seinen Metaboliten Serotonin und Kynurenin stellt dabei das Bindeglied zwischen körperlichen und psychischen Beschwerden dar.


Tryptophan-Stoffwechsel verbindet Körper und Psyche

Der Körper nutzt die essentielle Aminosäure Tryptophan für ganz unterschiedliche Zwecke. Den überwiegenden Teil des Tryptophans aus der Nahrung baut er in der Leber ab, um daraus das Coenzym NAD+ zu produzieren, das für viele energieverbrauchende Prozesse essenziell ist. Nur etwa ein Prozent des Tryptophans geht in die Proteinbiosynthese.

Aus weiteren drei Prozent stellt der Körper das Glückshormon Serotonin her – zum Teil im Darm und zum Teil im Gehirn. Im Gehirn hat Serotonin die bekannte schmerzhemmende, entspannende und stimmungsaufhellende Wirkung; gleichzeitig ist es Ausgangsstoff für das schlaffördernde Melatonin. Aber auch im Darm ist Serotonin wichtig: Es beeinflusst die Motilität, die Schleimsekretion und das Schmerzempfinden.


Hohe IDO-Aktivität: wenig Serotonin

Fast alle Gewebe und spezielle Immunzellen wie die Makrophagen besitzen noch ein weiteres Tryptophan-abbauendes Enzym: die Indolamin-2,3-Dioxygenase (IDO). Sie setzt Tryptophan zu Kynurenin um und ist für etwa fünf Prozent des Tryptophanabbaus verantwortlich.

Eine Silent Inflammation kann die Menge der IDO um das 20- bis 4000-Fache steigern und damit ihre Aktivität stark in die Höhe treiben. Eine hohe IDO-Aktivität verschiebt den Tryptophan-Stoffwechsel in Richtung Kynurenin und der Tryptophan-Spiegel im Körper sinkt. Ist die Tryptophan-Konzentration im Blut erniedrigt, kommt es zu einem Serotonin-Mangel, da mit dem Tryptophan der Ausgangsstoff für die Synthese fehlt. Das kann im Darm zu einer gestörten Motilität und Schmerzen führen; im Gehirn kann es depressive Verstimmungen fördern oder verfestigen.


Depressionsfördernde Stoffwechselprodukte

Im weiteren Stoffwechsel des Kynurenins entstehen Kynureninsäure, 3-Hydroxykynurenin, 3-Hydroxyanthranilinsäure und Quinolinsäure.
Kynurenin kann die Blut-Hirn-Schranke überwinden; im ZNS wird es zu Kynureninsäure und Quinolinsäure umgebaut. Während die Kynureninsäure neuroprotektiv wirkt, sind 3-Hydroxykynurenin, 3-Hydroxyanthranilinsäure und die Quinolinsäure stark neurotoxisch und depressionsfördernd.

Eine erhöhte IDO-Aktivität begünstigt depressive Verstimmungen auf zwei Wegen: über den Mangel des Glückshormons Serotonin und über die depressionsfördernden Stoffwechselprodukte 3-Hydroxykynurenin und Quinolinsäure.

Besonders problematisch ist dabei: Einmal angeschoben verstärkt sich die IDO-Aktivität von selbst. Das hält den Tryptophan-Stoffwechsel dauerhaft in Schieflage und verfestigt depressive Verstimmungen und Schlafstörungen.

Der Silent-Inflammation-Check weist eine erhöhte IDO-Aktivität nach, indem er die Kynurenin/Tryptophan-Ratio bestimmt. Die Parameter hsCRP und Antikörper gegen LPS geben zusätzlich Hinweise auf die Ursache der erhöhten IDO-Aktivität. Damit bietet der Silent-Inflammation-Check eine Diagnostik an der Schnittstelle zwischen Soma und Psyche.


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Therapie bei erhöhter IDO-Aktivität

Liegen eine Silent Inflammation und eine erhöhte IDO-Aktivität vor, können Sie therapeutisch gegensteuern über eine:

  • Modulation der IDO-Aktivität durch Phytotherapie
  • Substitution von Tryptophan (über die Ernährung oder über ein Präparat)
  • Stabilisierung der intestinalen Grenzfläche
  • Senkung der intestinalen LPS-Last. 

So können Sie die Kynureninkonzentration im Körper aktiv senken und die Bildung depressionsfördernder Stoffwechselprodukte hemmen. Parallel steigt die Serotonin-Konzentration wieder an. Auch der LPS-Einstrom in den Blutkreislauf lässt sich vermindern und damit eine Hauptursache der Silent Inflammation beseitigen. Dadurch kommt der Tryptophan-Stoffwechsel auch langfristig wieder in ein gesundes Gleichgewicht.

Cave: Bei Schwangeren ist die IDO-Modulation kontraindiziert. 

Zum Befund können Sie ausführliche Therapieempfehlungen anfordern.


Literatur

Diabetiker sind drei- bis viermal häufiger depressiv als stoffwechselgesunde Menschen, umgekehrt haben Menschen mit anhaltenden Depressionen ein höheres Risiko, an Diabetes zu erkranken. Laut einer aktuellen Studie erschwert das Metabolische Syndrom eine antidepressive Therapie:

  • Mulvahill JS et al. (2017): Effect of Metabolic Syndrome on Late-Life Depression: Associations with Disease Severity and Treatment Resistance. J Am Geriatr Soc. 65(12): 2651-2658. doi: 10.1111/jgs.15129.

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