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FÜR ÄRZTE UND THERAPEUTEN

Alpha-1-Antitrypsin – der generalisierte Permeabilitätsmarker

Mit Hilfe des Schleimhaut-Parameters Alpha-1-Antitrypsin können Sie schwere Störungen der Schleimhaut-Permeabilität verlässlich aufdecken. Der Parameter ist Teil des KyberPlus-Baukastensystems.

Alpha(α)-1-Antitrypsin ist ein Protein, das vor allem von der Leber, aber auch von den Darm-Epithelzellen, den Makrophagen und den Paneth-Zellen gebildet wird. Es reguliert die Aktivität anderer Enzyme und hemmt den Proteinabbau. Besonders stark inhibiert es die PMN-Elastase, mit abnehmender Effektivität aber auch Trypsin, Plasmin, Thrombin und Plasminogen. So verhindert Alpha-1-Antitrypsin die Zersetzung des Bluteiweißes.

Bei einem durchlässigen Darmepithel geht Alpha-1-Antitrypsin verstärkt ins Darmlumen über. Als Protease-Inhibitor widersteht es dort dem Abbau, deshalb ist es besonders gut als Marker geeignet.

Erhöhte α-1-Antitrypsin-Werte im Stuhl stehen für ein:

  • durchlässiges Darmepithel1 (Leaky Gut)
  • enterales Eiweißverlustsyndrom
  • entzündliches Geschehen.

Alpha-1-Antitrypsin zeigt auch dann noch ein Leaky-Gut-Syndrom an, wenn die Integrität der Epithelzellen stark gestört und die Zonulin-Produktion zum Erliegen gekommen ist. Hohe Alpha-1-Antitrypsin-Werte bei gleichzeitig normal niedrigen Zonulin-Werten sprechen deshalb für eine schwere Barrierestörung, bei der das Darmepithel nicht mehr zur Regulation fähig ist. Zonulin ist dagegen der sensitivere Marker, der schon erste Entgleisungen bei der Regulation aufspüren kann. Um ein Leaky-Gut-Syndrom verlässlich nachzuweisen, ist aus therapeutischer Sicht daher immer die Bestimmung beider Parameter sinnvoll.


Ödeme und Immunschwäche bei exsudativer Enteropathie

Ein enteraler Eiweißverlust von 10 bis 20 Prozent ist physiologisch2, da der Körper einen Teil der Bluteiweiße über den Darm abbaut. Gehen aber mehr Albumine, Globuline und andere Proteine aus dem Blutplasma ins Darmlumen über und kann der Körper den Verlust nicht durch verstärkte Synthese ausgleichen, kommt es zum enteralen Eiweißverlustsyndrom - der exsudativen Enteropathie.

Häufige Symptome sind Ödeme und Immunschwäche. Da die Bindungskapazität der noch vorhandenen Blut-Albumine für die Flüssigkeit im Blut nicht mehr ausreicht, tritt sie ins Gewebe aus. Der Mangel an Immunglobulinen erhöht dazu die Infektanfälligkeit2.


Herzinsuffizienz, Allergien und Morbus Parkinson

Die exsudative Enteropathie ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein Sammelbegriff von Störungsbildern, bei denen es zu einem pathologischen Verlust von Proteinen über den Gastrointestinaltrakt kommt. Dazu gehören lymphatische Abflussstörungen, wie sie bei Herzinsuffizienz entstehen. Sie erhöhen den Druck im Darm-Lymphsystem und verstärken so den Eiweiß-Austritt ins Darmlumen.

Enterale Erkrankungen, die mit erhöhter Durchlässigkeit der Darm-Mukosa einhergehen, können ebenfalls zur exsudativen Enteropathie führen.
Dazu gehören:

  • chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
  • Zöliakie
  • infektiöse Gastroenteritiden
  • allergisch bedingte Darmerkrankungen2,1.

Zum Beispiel steigt bei einer Kuhmilch-Allergie die α-1-Antitrypsin-Konzentration im Stuhl an3. Damit beginnt ein Teufelskreis: Durch das durchlässige Darmepithel gelangt mehr Kuhmilch-Protein in die Darm-Mukosa. Dort fördert es allergische Reaktionen und Entzündungen, die wiederum die Permeabilität verstärken.

Wie neue Studien zeigen, ist Alpha-1-Antitrypsin auch zusammen mit Zonulin im Stuhl bei neuroinflammatorischen Erkrankungen wie Morbus Parkinson erhöht4. Die Ergebnisse unterstützen die Annahmen, nach denen eine durchlässige Darm-Mukosa am Erkrankungsverlauf beteiligt ist.


Alpha-1-Antitrypsin bei Entzündungen

Bei Entzündungen kommt es häufig zu schweren Barrierestörungen; gleichzeitig erhöht sich die α-1-Antitrypsin-Produktion unter einer Entzündung noch5 und über das entzündliche Exsudat gehen zusätzlich Eiweiße aus dem Blut in das Darmlumen verloren.

Die Alpha-1-Antitrypsin-Konzentration im Stuhl ist deshalb auch ein indirekter Marker für entzündliche Veränderungen. Sie korreliert gut mit entzündlicher Aktivität bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, besonders bei Morbus Crohn.5 Allerdings sind fäkales Calprotectin und Laktoferrin als Marker bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen besser untersucht, deshalb ist eine Kombination von Alpha-1-Antitrypsin mit Calprotectin oder Laktoferrin für Schubprognosen und Verlaufskontrollen zu empfehlen6,7.

Unterstützend kann der Marker eingesetzt werden, um:

  • entzündliche Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes zu diagnostizieren,
  • den Verlauf chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen zu kontrollieren, vor allem bei Morbus Crohn, und
  • einen Schub bei Morbus Crohn zu prognostizieren.

Schwere Verläufe bei α-1-Antitrypsin-Mangel

Ist Alpha-1-Antitrypsin im Stuhl bei einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung erniedrigt, weist das auf einen schnellen, aggressiven Krankheitsverlauf hin1. Alpha-1-Antitrypsin wird dann seinen Aufgaben als Gegenspieler entzündlicher Prozesse nicht mehr gerecht. Denn es schützt den Körper vor abbauenden Enzymen, die an Entzündungsprozessen beteiligt sind8,9, und kann die Produktion pro-inflammatorischer Zytokine hemmen. Außerdem kann es die Einwanderung von Entzündungszellen ins Gewebe bremsen – und damit dessen Zerstörung5,1.

Ein α-1-Antitrypsin-Mangel kommt genetisch bedingt bei 0,001 bis 0,002 Prozent der europäischen Bevölkerung vor. Er ist mit verschiedenen Erkrankungen assoziiert, zum Beispiel mit der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD, chronic obstructive pulmonary disease)10.


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