FÜR ÄRZTE UND THERAPEUTEN

Mycoplasma pneumoniae

Verbreitung

Mycoplasma pneumoniae ist ein weltweit1 verbreiteter Erreger respiratorischer Infektionen. Das Bakterium gehört wie Chlamydia pneumoniae zu den häufigsten Verursachern ambulant erworbener Pneumonien2: Wissenschaftler schätzen den Anteil auf 10 bis 40 Prozent2.


Erkrankungen & Symptomatik

Mycoplasma pneumoniae verursacht Infektionen des oberen und unteren Respirationstrakts3. Kinder und junge Erwachsene sind besonders gefährdet, an einer ambulant erworbenen Pneumonie zu erkranken2. Auch Patienten mit Asthma bronchiale und COPD sind häufiger von einer Pneumonie betroffen2. Die durch Mycoplasma pneumoniae verusachte Pneumonie verläuft meist atypisch3.

Infizierte Patienten präsentieren sich meist mit

  • Fieber
  • Husten
  • Unwohlsein und
  • Kopfschmerzen.

Auch Tracheobronchitiden und Pharyngitiden kommen häufig vor3. Patienten unter fünf Jahren zeigen allerdings oft andere Symptome wie Schnupfen und stenotische Atmung ohne begleitendes Fieber; manchmal treten auch Diarrhoe und Erbrechen auf3.

Das Respiratorische-Erreger-Panel weist Mycoplasma pneumoniae im Nasopharyngeal-Abstrich schnell und zuverlässig nach.

Neurologische, renale, muskuläre, thrombotische, gastrointestinale und cardiovaskuläre Manifestationen sind ebenfalls möglich2. Schwere Verläufe können dementsprechend in Erkrankungen wie schwere Pneumonien, Exazerbationen bei Asthma und Enzephalitiden münden. Auch Nierenfunktionsstörungen, hämolytische Anämie, gastrointestinale Beschwerden und das Stevens-Johnsons-Syndrom können bei schweren Verläufen auftreten3. Die meisten Mycoplasma-pneumoniae-Infektionen sind selbstlimitierend3.

Die Inkubationszeit beträgt eine bis vier Wochen3.

Ein Impfstoff gegen Mycoplasma pneumoniae steht noch nicht zur Verfügung.


Übertragung

Mycoplasma pneumoniae verbreitet sich bei engem Kontakt aerogen durch Tröpfcheninfektion3.


Mikrobiologie

Mycoplasma pneumoniae besitzt keine bakterielle Zellwand. Deshalb sind Antibiotika wie die β-Lactame nicht wirksam, die die Zellwandsynthese stören3.

Der Erreger lebt parasitisch mit den menschlichen Epithelzellen. Meist haftet er sich an die Basis der Zilien respiratorischer Zellen an3. Deshalb kann die Zilienbewegung Mycoplasma pneumoniae kaum mit dem respiratorischen Mukus aus den Atemwegen entfernen. Wie Wissenschaftler berichten, konnte der Erreger in einigen Fällen auch über Endozytose in die Epithelzellen der Lunge gelangen. Das unterstützt latente und chronische Krankheitsverläufe2,3.


Literatur

  1. Parrott G. L. et al. A Compendium for Mycoplasma pneumoniae. Front. Microbiol. 2016;7:513.
  2. Bajantri B. et al. Mycoplasma pneumoniae: A Potentially Severe Infection. Clin. Med. Res. 2018;10:535.
  3. Centers of Disease Control an Prevention (CDC). Mycoplasma penumonaie Infections, Stand 13.04.2018.