FÜR ÄRZTE UND THERAPEUTEN

Influenzaviren A und B

Beim Menschen treten saisonale, pandemische und zoonotische Influenzaviren auf. Zoonotische Influenzaviren stammen vorwiegend aus Vögeln und Schweinen und verursachen nur wenige Erkrankungen.1 Nähere Informationen dazu finden Sie auf der Website des RKI.
Wir stellen Ihnen die saisonalen Influenzaviren vor und die pandemische Influenza der "Schweinegrippe" von 2009.


Subtypen & Verbreitung

Saisonale Influenza

Die Influenza ist weltweit verbreitet. Folgende vier Influenza-Subtypen oder -Linien verursachen die saisonale Influenza: die beiden Subtypen H1N1 und H3N2 des Influenza Typ A und die beiden Influenza-B-Linien B-Victoria und B-Yamagata. Von diesen vier Gruppen zirkulieren weltweit verschiedene Varianten. Von Saison zu Saison unterscheidet sich, welche Gruppe mit welcher Variante am häufigsten vorkommt2,3.

In Europa setzt die Grippewelle im Winter ein – Influenzaviren sind bei niedrigen Temperaturen und in trockener Luft stabiler. Die Grippewelle beginnt häufig in den südwestlichen Ländern Europas wie zum Beispiel Spanien und setzt sich dann über Mitteleuropa nach Osteuropa fort. In Deutschland sind besonders der Januar und Februar betroffen. In den sehr seltenen Fällen einer Influenzapandemie durch ein völlig neues Virus kann eine Grippewelle auch außerhalb des Winters auftreten2,3.

Während einer saisonalen Grippewelle erkranken in Deutschland meist zwischen 2 und 14 Millionen Menschen an Influenza. Die Zahl der gesamten Infektionen - auch ohne Erkrankung - liegt bei 5 bis 20 Prozent der Bevölkerung. Die Zahl der Todesfälle ist bei den einzelnen Grippewellen unterschiedlich: Sie liegt in Deutschland zwischen mehreren hundert und über 20.000 Verstorbenen 2,3. Besonders ältere Menschen sind davon betroffen.

Pandemische Influenza

Mit der Schweinegrippe trat 2009 die bisher letzte pandemische Influenza auf. Auslöser war das neuartige Influenza A H1N1 pdm/09-Virus. Der neue Virustyp hatte sich gebildet, nachdem sich menschliche Zellen gleichzeitig mit Influenzaviren aus Menschen, Vögeln und Schweinen infiziert hatten. Unter solchen Bedingungen kann ein sogenanntes Reassortment stattfinden: Die genetische Information ähnlicher Viren vermischt sich und verteilt sich neu. Influenza A H1N1 pdm/09 enthält entsprechend genetische Abschnitte der drei verschiedenen Influenzaviren. Das Virus war für etwa 99 Prozent der damals gemeldeten Influenza-Infektionen verantwortlich4,5.

Das Respiratorische-Erreger-Panel erfasst die vier saisonalen Influenzaviren des Typs A und B, das pandemische Influenzavirus A H1N1 pdm/09 und zoonotische Influenzaviren aus Schweinen.


Erkrankung & Symptomatik

Influenza ist eine Atemwegserkrankung. Die Inkubationszeit der Influenza beträgt ein bis zwei Tage2. Die Krankheitsdauer liegt in der Regel bei fünf bis sieben Tagen, kann bei Komplikationen und Risikofaktoren aber auch deutlich länger sein3.

Impfung: Eine Impfung gegen die saisonale Influenza und die ehemals pandemische Schweinegrippe ist möglich.

Saisonale Influenza

Die für die saisonale Influenza typische Symptomatik umfasst:

  • plötzlicher Erkrankungsbeginn
  • Fieber
  • Muskelschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • trockener Reizhusten (setzt etwas später ein)

Allerdings erkrankt nur etwa ein Drittel der Infizierten mit den typischen Symptomen. Ein weiteres Drittel zeigt eine mildere Symptomatik, wie sie bei Erkältungs­krank­hei­ten vorkommt. Das letzte Drittel der Infektionen verläuft symptomlos.
Besonders ältere Erkrankte bekommen häufig kein Fieber. Die saisonale Influenza kann jedoch vor allem bei Menschen ab 60 Jahren, bei chronisch Kranken und Schwangeren zu Komplikationen - wie einer bakteriellen Lungenentzündung - führen und dann tödlich verlaufen2,3,4.

Pandemische Influenza

Bei der pandemischen Influenza 2009 gab es einige Unterschiede zur saisonalen Influenza:

  • Todesfälle und schwere Verläufe traten bei jüngeren Menschen auf statt bei älteren.
  • Virale Lungenentzündungen waren die Hauptursache für tödliche Verläufe, während bei der saisonalen Influenza vor allem bakterielle Superinfektion der Lunge zum Tod führten.
  • Das pandemische Virus haftete besser an Epithelzellen in tiefen Lungenabschnitten4.

Influenza versus Erkältung

Patienten verwechseln die Influenza oft mit einer Erkältung - einem grippalen Infekt, für den mehr als 30 verschiedene Erreger verantwortlich sein können. Dazu zählen zum Beispiel die Rhinoviren, aber niemals die Influenzaviren. Eine Erkältung verläuft meist milder, kann aber in Einzelfällen wie bei immunsupprimierten Personen und Kleinkindern zu schweren Komplikationen führen. Während es gegen Erkältungsviren keine Imfpstoffe gibt, ist eine Impfung gegen Influenza möglich.


In der Praxis ist es oft schwierig, Influenza und Erkältung anhand der Symptome zu unterscheiden. Für Ärzte und Therapeuten ist es daher auch wichtig zu wissen, welche Viren in der Bevölkerung zirkulieren. Mitten in einer Grippewelle ist eine Influenza-Infektion mit milder Symptomatik wahrscheinlicher.
Informationen zu zirkulierenden Atemwegsviren sind auf den Seiten der Arbeitsgemeinschaft Influenza abrufbar3.


Übertragung

Influenzaviren werden meist über virushaltige Tröpfchen übertragen, die vor allem beim Husten und Niesen entstehen. Die Tröpfchen können direkt eingeatmet und über kontaminierte Hände oder Gegenstände mit Mund, Nase oder Augen in Kontakt kommen. Die Influenzaviren dringen dann über die Schleimhäute in den Körper ein3,6.


Mikrobiologie

Influenzaviren sind behüllte Viren, die RNA als Erbmaterial besitzen. Sie gehören zur Familie der Orthomyxoviren2.

Auf der Oberfläche tragen Influenzaviren elektronenmikroskopisch sichtbare Spikes, die aus den Oberflächen-Proteinen Hämagglutinin (H) und Neuraminidase (N) bestehen. Mit ihrer Hilfe gelangen die Influenza-Viren in die Zellen des respiratorischen Epithels, in denen sie sich vermehren. Vom Hämagglutinin sind 18 Varianten bekannt: H1 bis H18; von der Neuraminidase 11: N1 bis N11.

Die verschiedenen Subtypen der Influenza A-Viren werden nach den Oberflächenproteinen benannt: Die Subtypen A(H1N1) und A(H3N2) lösen seit Jahrzehnten die saisonale Influenza aus2,3. Auch die Influenza-B-Linien B-Victoria und B-Yamagata unterscheiden sich in den Oberflächenproteinen Hämagglutinin und Neuraminidase, auch wenn es ihren Namen nicht zu entnehmen ist2.


Literatur

  1. RKI. Influenza (Teil 2): Erkrankungen durch zoonotische Influenzaviren. Stand 12.12.2016.
  2. RKI. Influenza (Teil 1): Erkrankungen durch saisonale Influenzaviren. Stand 19.01.2018.
  3. RKI. Influenza. Häufig gestellte Fragen und Antworten zur Grippe. Stand 30.01.2019. Einzelne Antworten können andere Stände haben.
  4. RKI. Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Influenzapandemie 2009. Stand 10.01.2017
  5. BioFire® Respiratory Panel 2.1 plus. Informationsbroschüre, Stand 1. Juli 2020.
  6. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Grippe (Influenza). Stand April 2018.