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FÜR ÄRZTE UND THERAPEUTEN

Humane Parainfluenzaviren

neue Bezeichnung: Humane Respiroviren und humane Orthorubulaviren

Verbreitung & Mikrobiologie

Humane Parainfluenzaviren (HPIV) kommen weltweit vor und sind eine der Hauptursachen für kindliche Erkrankungen und Todesfälle. Es gibt vier HPIV-Spezies, die teilweise jährlich und jahreszeitlich alternierend auftreten1 und so für eine ständige Präsenz der Parainfluenzaviren im Infektionsgeschehen sorgen:

  • HPIV-1 oder nach neuer Nomenklatur das humane Respirovirus 13 tritt alle zwei Jahre in ungraden Jahren auf - vor allem von September bis Dezember.
  • HPIV-2 oder das humane Orthorubulavirus 24 verursacht jährlich oder alle zwei Jahre abwechselnd mit HPIV-1 Infektionen.
  • HPIV-3 oder das humane Respirovirus 35 tritt jährlich auf, vor allem von April bis Juni. In den gradzahligen Jahren ohne HPIV-1-Infektionen verlängert sich die Infektionszeit mit HPIV-3 bis Dezember. 
  • HPIV-4 oder das humane Orthorubulavirus 46 kommt seltener vor und tritt saisonal ähnlich wie HPIV-3 auf 1,2.

Das Respiratorische-Erreger-Panel erfasst alle vier HPIV-Arten.

Alle genannten Parainfluenzaviren gehören - auch nach ihrer Umbenennung - in die Familie der Paramyxoviridae. Die Viren sind behüllt und enthalten RNA als Erbmaterial1.


Erkrankungen & Symptomatik

Die humanen Parainfluenzaviren verursachen in allen Altersgruppen Infekte der unteren und oberen Atemwege. Am häufigsten sind aber Säuglinge und Kleinkinder betroffen7.

Zu den verursachten Erkrankungen gehören:

  • Erkältung
  • akute Laryngotracheobronchitis (Krupp-Syndrom)
  • Tracheobronchitis
  • Bronchiolitis
  • Pneumonie.

Mangelernährung, Vitamin-A-Mangel und fehlendes Stillen begünstigen eine HPIV-Infektion1,2,8. Chronische Erkrankungen wie Asthma, COPD und kongestive Herzinsuffizienz können sich unter einer HPIV-Infektion verstärken1,2. Häufig kommt es zu Co-Infektionen mit anderen respiratorischen Viren, die den Erkrankungsverlauf verschlimmern1,7.

Bei gesunden Erwachsenen kann die Infektion mild verlaufen7. Zu den Risikogruppen zählen immungeschwächte Erwachsene, ältere Menschen und Kinder unter fünf Jahren. HPIV-Infektionen zählen zu den Hauptursachen für Morbidität und Mortalität bei Kindern1,2,7.

Die Inkubationszeit liegt bei zwei bis sieben Tagen8, die Erkrankungsdauer variiert stark: Bei Erwachsenen mit unkompliziertem Verlauf dauert die Erkrankung 3 bis 17 Tage,2. Bei Kindern, die am Krupp-Syndrom erkranken, lassen die Symptome unter adäquater Therapie meist nach ein bis drei Tagen nach. Erkranken Kinder ohne kardiopulmonale Grunderkrankungen an einer Bronchiolitis, erholen sie sich meist nach 21 Tagen9.

Impfung: Wissenschaftler entwickeln derzeit einen Imfpfstoff8.


Übertragung

Das Virus überträgt sich durch direkten Kontakt von Mensch zu Mensch, wenn virushaltige Tröpchen1 mit den Epithelien des Nasen-Rachenraums in Kontakt kommen2. Ausbrüche treten vor allem in Gemeinschaftseinrichtungen auf1.


Literatur

  1. Elboukari H. & M. Ashraf. StatPearls Publishing LLC 18.07.2020. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK560719/, abgerufen am 16.09.2020.
  2. Henrickson K. J. Parainfluenza Viruses. Clin. Microbiol. Rev. 2003;16:242.
  3. ICTV. Human Parainfluenzavirus 1. https://talk.ictvonline.org/taxonomy/p/taxonomy-history?taxnode_id=19710229&src=NCBI&ictv_id=19710229, abgerufen am 17.09.2020.
  4. ICTV. Human Parainfluenzavirus 2. https://talk.ictvonline.org/taxonomy/p/taxonomy-history?taxnode_id=19950309&src=NCBI&ictv_id=19950309, abgerufen am 17.09.2020.
  5. ICTV. Human Parainfluenzavirus 3. https://talk.ictvonline.org/taxonomy/p/taxonomy-history?taxnode_id=19710231&src=NCBI&ictv_id=19710231, abgerufen am 17.09.2020.
  6. ICTV. Human Parainfluenzavirus 4. https://talk.ictvonline.org/taxonomy/p/taxonomy-history?taxnode_id=19990434&src=NCBI&ictv_id=19990434, abgerufen am 17.09.2020.
  7. DeGroote N. P. et al. Human parainfluenza virus circulation, United States, 2011-2019. J. Clin. Virol. 2020;124:104261.
  8. CDC. Human Parainfluenza Viruses (HPIVs). Stand 31.10.2019.
  9. Branche A. R. et al. Parainfluenza Virus Infection. Semin. Respir. Crit. Care Med. 2016;37:538.