FÜR ÄRZTE UND THERAPEUTEN

Humane Enteroviren - inklusive Rhinoviren

Überblick & Mikrobiologie

Die Gattung Enterovirus umfasst viele verschiedene Arten. Dazu zählen die vier humanen Enterovirus(EV)-Arten A, B, C und D mit zahlreichen Serotypen wie EV-D68 und die drei humanen Rhinovirus(RV)-Arten A, B und C mit ihren zahlreichen Serotypen.

Enterovirus- und Rhinovirus-Arten gehörten früher zwei verschiedenen Virus-Gattungen an. Wegen ihrer engen Verwandtschaft sind sie inzwischen in der Gattung Enterovirus vereint.

Alle Viren der Gattung Enterovirus sind unbehüllte Viren, die RNA als Erbmaterial enthalten. Sie gehören zu Familie der Picornaviridae1.


Verbreitung

Rhinovirus-Arten sind weltweit verbreitet und verursachen mehr als die Hälfte der oberen Atemwegsinfekte1. Sie sind auf den Menschen begrenzt und die Haupterreger der klassischen Erkältung1. Das Reservoir der Rhinoviren sind vor allem Kinder, sie können jährlich acht bis zwölf Infektionen erleiden. Erwachsene erkranken durchschnittlich zwei- bis dreimal pro Jahr.
Die Infektionen treten während des gesamtes Jahres auf, bevorzugt jedoch in den Zeiträumen April/Mai und September/Oktober. Wie aktuelle Forschungen zeigen, gibt es im Winter einen zusätzlichen Infektionspeak – verursacht durch die neu entdeckte Rhinovirus-Art C1.

Enterovirus-Arten sind wie die Rhinoviren weltweit verbreitet5. Infektionen treten gehäuft in Spätsommer und Herbst auf4.


Erkrankungen & Symptomatik

Rhinoviren

Rhinoviren dringen über die nasale Mukosa und die Konjunktiva des Auges in den Körper ein. Sie befallen meist nur die oberen Atemwege und verursachen überwiegend harmlose, selbst-limitierende Erkältungen. Fieber, Husten und Rhinorrhoe gehören ebenso wie Hals- und Muskelschmerzen zu den typischen Erkältungs-Symptomen1,2. Bei älteren und immungeschwächten Menschen können Rhinoviren schwere Pneumonien verursachen und zur Exazerbation chronischer Atemwegserkrankungen wie Asthma führen1. Auch die Nasennebenhöhlen und das kindliche Mittelohr können Zielgewebe von Rhinoviren sein1.  Neuere Forschungsarbeiten haben Rhinoviren in Blut und Stuhl nachgewiesen - Gastroenteritiden sind in seltenen Fällen möglich. Die genaue Pathogenese einer Rhinoviren-Infektion ist allerdings teilweise noch unklar1.

Bei niedrigen Temperaturen um die 33°C vermehren sich Rhinoviren im respiratorischen Epithel schneller als bei hohen Temperaturen von 37°C bis 39°C1. Historisch entstand daraus der Begriff „Erkältung“. Wie neuere Forschungen an Mäusen zeigen, liegt das jedoch nicht an spezifischen Eigenschaften der Rhinoviren, sondern an der stärkeren Aktivität des angeborenen Immunsystems bei wärmeren Temperaturen1. Die kalte Luft fördert also nicht das Virus direkt, sondern schwächt die Immunabwehr gegen das Virus.

Im Gegensatz zu vielen anderen respiratorischen Erregern zerstören Rhinoviren nicht die Epithelzellen der Atemwege, sie schädigen aber deren Tight Junctions. In Folge steigt die Permeabilität der Epithelien für weitere respiratorische Krankheitserreger1.

Die durchschnittliche Inkubationszeit einer Rhinovirus-Infektion beträgt zwei Tage, die Symptome der einfachen Erkältung halten sieben bis zehn Tage an1.

Enteroviren

Enteroviren-Infektionen, besonders der Spezies EV-C und EV-D, führen ebenfalls oft zu einer Erkältung1. Sie tragen deshalb den Namen „respiratorische Enteroviren“. Allerdings können Enteroviren auch schwere Erkrankungen wie Myokarditis und Enzephalitis mit schweren bis tödlichen Krankheitsverläufen verursachen1. Auch die Polioviren gehören zur Gattung der Enteroviren. Sie sind Erreger der seit Impfbeginn fast ausgerotteten Poliomyelitis3.
Der Serotyp EV-D68 tritt neuerdings vermehrt auf und steht in Verdacht, neben respiratorischen auch neurologische Erkrankungen wie Myelitiden hervorzurufen1. Auch Gastroenteritiden können bei einer Infektion durch Enterovirus C-Arten auftreten1.

Die durchschnittliche Inkubationszeit bei Nicht-Polio-Enteroviren-Infektionen beträgt drei bis fünf Tage4.

Impfung

Impfstoffe gegen Enteroviren inklusive Rhinoviren sind mit Ausnahme des Polio-Impfstoffes zurzeit nicht verfügbar1.


Übertragung

Die Enteroviren inklusive der Rhinoviren übertragen sich meist über direkten menschlichen Kontakt und über kontaminierte Oberflächen. Berührt der Mensch mit kontaminierten Händen seine Nase oder Augen, gelangen die Viren in den Körper. Auch Aerosole können eine Infektion verursachen, allerdings führt dies seltener zu einer Erkrankung. 1 Auch die fäkal-orale Übertragung ist für viele Enteroviren möglich2,4.


Literatur

  1. Royston L. & C. Tapparel. Rhinoviruses and Respiratory Enteroviruses: Not as Simple as ABC. Viruses 2016;8:doi:10.3390/v8010016.
  2. CDC-Centers for Disease Control and Prevention. Non-Polio-Enteroviruses. Stand 08.08.2020.
  3. RKI. Poliomyelitis. RKI-Ratgeber, Stand 20.11.2015.
  4. Niedersächsiches Landesgesundheitsamt. Enteroviren und Ausbrauchsmanagement von Enterovirus-bedingten Erkrankungen. Merkblatt, Stand August 2013.
  5. Schwartz A. et al. What is the global prevalence of enteroviruses? Medscape 2020, Stand 23.06.2020.