3D-Grafik von Coronaviren

FÜR ÄRZTE UND THERAPEUTEN

SARS-CoV-2

Das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 löste 2019 erstmals die COVID-19-Erkrankung aus, die sich daraufhin weltweit verbreitete. Am 11.03.2020 erklärte die Weltgesundheitsorganisation COVID-19 zur Pandemie1.


Symptomatik

SARS-CoV-2 verursacht vor allem Atemwegsinfektionen. Die Krankheitsverläufe variieren in ihrer Schwere und Symptomatik. Sie reichen von asymptomatischen Verläufen bis hin zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Tod. Auch extrapulmonale Manifestationen sind möglich.

Zu den in Deutschland am häufigsten gemeldeten Symptomen gehören:

  • Husten - 45 Prozent
  • Fieber - 38 Prozent
  • Schnupfen - 20 Prozent
  • Geruchs- und Geschmacksverlust - 15 Prozent;
    allerdings haben laut internationaler Studien etwa die Hälfte der Betroffenen Geruchs- oder Geschmacksverlust.

In drei Prozent der gemeldeten Fälle kommt es zu einer Pneumonie. Sie entwickelt sich meist in der zweiten Krankheitswoche und kann in ein beatmungspflichtiges Akutes Respiratorisches Distress-Syndrom (ARDS) übergehen.

Weitere mögliche Symptome sind:

  • Halsschmerzen
  • Atemnot
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Appetitlosigkeit
  • Gewichtsverlust
  • Übelkeit
  • Bauchschmerzen
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Konjunktivitis
  • Hautausschlag
  • Lymphknotenschwellung
  • Apathie
  • Somnolenz.

Schwangere entwickeln seltener Symptome wie Fieber, die Wahrscheinlichkeit für die Aufnahme auf eine Intensivstation und für eine invasive Beatmung ist aber möglicherweise erhöht. Bei Kindern kommen gastrointestinale Symptome häufiger vor als bei Erwachsenen, teilweise ohne respiratorische Symptome.

Die Inkubationszeit liegt im Mittel bei 5 bis 6 Tagen.

Eine Infektion mit SARS-CoV-2 lässt sich über den Direktnachweis mittels PCR oder über das Respiratorische-Erreger-Panel ermitteln, das gleichzeitig auf 19 weitere respiratorische Erreger testet.


Krankheitsverlauf

Der genaue Zeitraum der Ansteckungsfähigkeit ist nicht klar definiert. Zwei Aussagen gelten jedoch als gesichert:

  • In der Zeit um den Symptombeginn sind Infizierte besonders ansteckend.
  • Ein erheblicher Teil der Übertragungen findet bereits statt, bevor die ersten klinischen Symptome auftreten.

Kinder sind im Vergleich zu Erwachsenen weniger empfänglich für eine Infektion.

Schätzungen zufolge verläuft die Erkrankung bei etwa 81 Prozent der diagnostizierten Patienten mild, bei etwa 14 Prozent schwer und bei etwa 5 Prozent kritisch.
Der Fall-Verstorbenen-Anteil liegt bei Erkrankten unter 50 Jahren unter 0,1 Prozent, steigt mit zunehmendem Alter an und liegt bei über 80-jährigen Patienten häufig bei über 10 Prozent.
Der Fall-Verstorbenen-Anteil gibt den Anteil der diagnostizierten Erkrankten an, die an der Erkrankung sterben. Durch die Dunkelziffer der nicht diagnostizierten Fälle ist der Fall-Verstorbenen-Anteil höher als die tatsächliche Letalität der Erkrankung.


Risikogruppen für schwere Verläufe

Bei folgenden Personengruppen kommt es häufiger zu schweren Krankheitsverläufen:

  • ältere Personen: Ab 50 bis 60 Jahren steigt das Risiko für schwere Verläufe stetig. 86 Prozent der in Deutschland an COVID-19 Verstorbenen waren 70 Jahre alt oder älter.
  • stark adipöse Menschen
  • männliches Geschlecht
  • Raucher (schwache Evidenz)
  • Personen mit Vorerkrankungen:
    - Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems wie koronare Herzerkrankung und Bluthochdruck
    - chronische Lungenerkrankungen wie COPD
    - chronische Nieren- und Lebererkrankungen
    - Patienten mit Diabetes mellitus
    - Patienten mit einer Krebserkrankung
    - Patienten mit geschwächtem Immunsystem: zum Beispiel durch eine Erkrankung, die mit einer Immunschwäche einhergeht oder durch die Einnahme von Medikamenten, die die Immunabwehr beeinflussen

Manifestationen in extrapulmonalen Organsystemen

Neben der Lunge kann sich COVID-19 auch in anderen Organsystemen manifestieren. SARS-CoV-2 nutzt das transmembrane Enyzm ACE-2* als Rezeptor, um in die Wirtszelle einzudringen. Eine hohe ACE-2-Dichte findet sich zum Beispiel im Respirationstrakt, im Darm, in Gefäßzellen, in der Niere und im Herzmuskel.

Entsprechend können auftreten:

  • Neurologische Symptome und Erkrankungen: Kopfschmerzen, Schwindel und andere Beeinträchtigungen, die neuroinvasive Eigenschaften des Virus vermuten lassen. Dazu zählen auch neuropsychiatrische Symptome und möglicherweise Enzephalopathien und Meningitiden. Auch Fälle eines Guillain-Barré und Miller-Fischer-Syndroms sind vorgekommen.
  • Gastrointestinale und hepatische Symptome: Übelkeit, Appetitlosigkeit, Erbrechen, abdominale Schmerzen und Durchfälle. Auch Leberfunktionsstörungen sind möglich.
    Die Viren im Stuhl sind nur selten vermehrungsfähig, wie bisherige Studien zeigen.
  • Herz-Kreislaufsymptome und -erkrankungen:  Bei schweren Atemwegsinfektionen erleidet eine Reihe von Patienten kardiovaskuläre Erkrankungen, einschließlich Myokardschädigungen, Myokarditis, akuter Myokardinfarkt, Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen. Die pathologisch erhöhte Blutgerinnung geht mit einem erhöhten Risiko für Thromboembolien einher - unter anderem in den unteren Extremitäten, in den Lungenarterien und zerebrovaskulär.
    Eine kardiale Beteiligung ließ sich zum Teil auch bei Kindern und Patienten mit mildem oder moderatem Krankheitsverlauf nachweisen.
  • Nierenerkrankungen: Besonders bei schwer erkrankten, beatmungspflichtigen COVID-19-Patienten kann es zu einem akuten und unter Umständen dialysepflichtigen Nierenversagen kommen.
  • Dermatologische Manifestationen: Eine große Bandbreite an dermatologischen Manifestationen ist beschrieben, die allerdings nur in 0,2 bis 1,2 Prozent der Fälle auftreten. Dazu zählen juckende, morbilliforme Ausschläge, Papeln, Rötungen, ein Nesselsucht-ähnliches Erscheinungsbild, Hautbläschen und Frostbeulen-ähnliche Hautläsionen. Die Hautmanifestationen können zu Beginn oder auch erst im späteren Krankheitsverlauf auftreten.
  • Multisystemisches Syndrom (PIMS): Bei Kindern und Jugendlichen entwickelt sich selten das Pädiatrische Inflammatorische Multisystemische Syndrom (PIMS).
  • Hyperinflammationssyndrom: 8 bis 15 Tage nach Erkrankungsbeginn entwickeln wenige Patienten mit schwerer COVID-19-Infektion eine Verschlechterung im Sinne eines Hyperinflammationssyndroms. In dessen Folge kommt es zu Multiorganversagen.
  • Co-Infektionen: Vor allem schwer erkrankte COVID-19-Patienten können unter weiteren Infektionen leiden. Zu den nachgewiesenen Erregern zählen: Mycoplasma pneumoniae, Candida albicans und Aspergillus-Arten. In einigen Fällen traten auch Superinfektionen mit multiresistenten Bakterien wie Klebsiella pneumoniae und Acinetobacter baumannii auf.

*Angiotensin-konvertierendes Enzym 2


Übertragung: vor allem respiratorisch

Das SARS-Coronavirus-2 überträgt sich nach jetzigem Stand der Wissenschaft am häufigsten respiratorisch: Wir atmen virushaltige Flüssigkeitspartikel in Form von Tröpfchen und Aerosolen ein. Der Übergang zwischen Tröpfchen und Aerosolen ist dabei fließend.
Aerosole scheiden wir beim Atmen und Sprechen und besonders stark beim Schreien und Singen aus. Beim Husten und Niesen entstehen zusätzlich Partikel. Während Tröpfchen schnell zu Boden sinken, können Aerosole über längere Zeit in der Luft schweben und sich im Raum verteilen. Luftfeuchtigkeit und Temperatur beeinflussen zusätzlich, wie schnell Tröpfchen und Aerosole absinken.

Im Umkreis von ein bis zwei Metern um eine infizierte Person kommen wir mit erhöhter Wahrscheinlichkeit mit Tröpfchen und Aerosolen in Kontakt. Ein Atemschutz kann das Risiko einer Übertragung im unmittelbaren Umfeld einer infizierten Person verringern2.
In kleinen, schlecht belüfteten Räumen wird eine Aerosol-Übertragung über eine größere Distanz wahrscheinlicher, vor allem wenn eine infektiöse Person besonders viele Aerosole ausstößt. Das gemeinsame Singen in geschlossenen Räumen über längere Zeit ist ein Beispiel für eine solche Situation.
Ein effektiver Luftaustausch kann die Aerosolkonzentration in einem Raum vermindern2. Wie Sie die richtige Lüftungshäufigkeit ermitteln, finden Sie beispielsweise auf der Website der Berufgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe.
Übertragungen in Außenbereichen sind bei Wahrung des Mindestabstandes unwahrscheinlich2.

Neben der respiratorischen Übertragung werden derzeit weitere Übertragungswege diskutiert2:

Kontaminierte Oberflächen

Eine Übertragung über kontaminierte Oberflächen ist nicht auszuschließen - besonders in der unmittelbaren Umgebung einer infektiösen Person. Unter Laborbedingungen bleiben SARS-CoV-2 auf Flächen für einige Zeit infektiös (siehe unten)2.

Fäkale Übertragung

Eine Übertragung durch den Stuhl infizierter Personen ist vermutlich selten, denn er setzt vermehrungsfähige Viren im Stuhl voraus. Studien haben das bislang jedoch nur selten gezeigt2.

Durch Nahrungsmittel

Bislang sind Übertragungen durch den Verzehr kontaminierter Nahrungsmittel nicht nachgewiesen worden2.

Über die Bindehaut

In wenigen Patienten mit COVID-19-Pneumonie befand sich SARS-CoV-2 in Konjunktivalproben. Das ist jedoch kein Beleg für Konjunktiven als Eintrittspforte2

Von der Mutter auf das ungeborene Kind

Es gibt nur einzelne untersuchte Erkrankungsfälle, eine davon bestätigt die Infektion im Mutterleib2.

Über die Muttermilch

In einem Fall gelang der Nachweis von viralem Erbmaterial in Muttermilch. Die Anzucht der Viren aus Muttermilch ist aber bislang nicht beschrieben – somit ist zur Zeit nicht geklärt, ob sich das Virus über Muttermilch übertragen kann2.


Umweltstabilität

SARS-CoV-2 ist daraufhin noch nicht abschließend untersucht, bisher liegen aber einige Daten aus Laboruntersuchungen vor:

Aerosole:

Vermehrungsfähige SARS-CoV-2 waren bis zu drei Stunden in Aerosolen nachweisbar2,4.

Oberflächen:

SARS-CoV-2 ist auf glatten Oberflächen wie Plastik oder Edelstahl stabiler (3-7 Tage) als auf porösen Oberflächen wie Einwegkitteln, Baumwollkitteln und Papier (5 Minuten bis 4 Tage, auch abhängig von der Virusmenge)2. Auf Kupferoberflächen kann das Virus bis zu vier Stunden und auf Karton bis zu 24 Stunden infektiös bleiben4.
Wie verschiedene Studien andeuten, können sehr hohe Luftfeuchtigkeit in Kombination mit erhöhter Temperatur (+38°C)2 und das Abtrocknen einer Oberfläche5 die Infektiosität von SARS-CoV-2 auf Oberflächen verringern.

Temperaturbeständigkeit:

Zu SARS-CoV-2 liegen nur wenige Daten vor. Sie beschreiben eine Virusinaktivierung in Flüssigkeit bei 70°C in 5 Minuten2,3. Eine Temperatur von -4°C verringerte im Untersuchungszeitraum von 14 Tagen nicht die Infektiosität des Virus2.

Literatur

  1. RKI. Risikobewertung zu COVID-19. Stand 23.09.2020.
  2. RKI. SARS-CoV-2 Steckbrief zur Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19). Stand 16.10.2020.
  3. Chin A. W. H. et al., 2020: Stability of SARS-CoV-2 in different environmental conditions. Lancet Microbe 1:e10.
  4. van Doremalen A. et al., 2020: Aerosol and Surface Stability of SARS-CoV-2 as Compared with SARS-CoV-1. N Engl. J. Med. 82:1564.
  5. BfR. Kann das neuartige Coronavirus über Lebensmittel und Gegenstände übertragen werden? Aktualisierte FAQ des Bundesinstituts für Risikobewertung vom 10.09.2020.