3D-Grafik von Coronaviren

FÜR ÄRZTE UND THERAPEUTEN

Coronaviren

Arten & Verbreitung

Es gibt sieben humanpathogene Coronaviren, die vor allem Atemwegserkrankungen auslösen1,2. Das Respiratorische-Erreger-Panel weist sechs der sieben Coronaviren-Arten nach.

Fast jeder infiziert sich im Laufe seines Lebens mit den folgenden vier Coronavirus-Varianten, die es bereits seit vielen Jahren gibt:

  • Coronavirus 229E
  • Coronavirus HKU1
  • Coronavirus NL63
  • Coronavirus OC43

Die vier Coronavirus-Varianten kommen weltweit vor und rufen meist nur leichte respiratorische Infekte hervor. Schwere Verläufe sind selten und treten vor allem bei immunsupprimierten Patienten auf1.

Die folgenden Coronaviren sind für schwere virale Pneumonien verantwortlich1. MERS-CoV und SARS-CoV kommen oder kamen allerdings nur geographisch begrenzt vor:

  • SARS-CoV-2: Das neuartige Coronavirus löste 2019 erstmals die COVID-19-Erkrankung aus, die sich weltweit verbreitete. Am 11.03.2020 erklärte die Weltgesundheitsorganisation COVID-19 zur Pandemie3.
  • MERS-CoV (Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus): Es zirkuliert kontinuierlich auf der Arabischen Halbinsel.
  • SARS-CoV (Severe Acute Respiratory Syndrom Coronavirus): Die meisten Infektionen fanden in Ostasien statt. Durch Reisen infizierter Personen waren insgesamt mehr als 25 Länder weltweit betroffen. Seit Anfang 2004 wurden keine humanen SARS-CoV-Infektionen mehr nachgewiesen. Wir verzichten deshalb auf eine detaillierte Betrachtung der SARS-CoV-Infektionen.

Erkrankungen & Symptomatik

Die humanpathogenen Coronaviren unterscheiden sich zum Teil stark hinsichtlich Erkrankungen und Symptomatik.

Coronavirus 229E, HKU1, NL63 und OC431:

Die vier Coronaviren verursachen meist nach zwei bis zehn Tagen Inkubationszeit leichte bis mittelschwere Infektionen der oberen Atemwege mit typischen Erkältungs-Symptomen:

  • Schnupfen
  • Husten
  • Halsschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • subfebrile Temperatur oder Fieber
  • allgemein verringertes Wohlbefinden.

Bei Risikogruppen können alle vier Viren auch schwere Erkrankungen der unteren Atemwege wie Pneumonie oder Bronchitis auslösen. Zu den Risikogruppen gehören immunsupprimierte Patienten, Patienten mit kardiopulmonalen und malignen Vorerkrankung, Säuglinge und ältere Menschen. Nur selten sind Menschen ohne spezifisches Risikoprofil von schweren Erkrankungsverläufen betroffen1.

SARS-Coronavirus-2 (SARS-CoV-2):

SARS-CoV-2 verursacht häufig Atemwegsinfektionen. Die Krankheitsverläufe variieren in ihrer Schwere und Symptomatik. Sie reichen von asymptomatischen Verläufen bis hin zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Tod. Auch extrapulmonale Manifestationen sind möglich. Mehr Informationen zu SARS-CoV-2

MERS-Coronavirus:

Das MERS-CoV-Virus besiedelt vor allem die tiefen Atemwege. Die Infektionen verlaufen im Durchschnitt schwerer als die der vier oben genannten Coronaviren. Sie imponieren meist als Pneumonie mit Husten, Fieber und Atemnot bis hin zu akutem Lungenversagen. Schwere Erkrankungsverläufe treten vor allem bei älteren Menschen, immunsupprimierten Patienten und Patienten mit chronischen Erkrankungen der Lunge oder Niere auf. Auch Patienten mit Tumorerkrankungen oder Diabetes sind gefährdet, schwer zu erkranken1.


Übertragung

Die Coronaviren unterscheiden sich zum Teil auch hinsichtlich ihrer Übertragungswege:

Coronavirus 229E, HKU1, NL63 und OC43:

Die Virusarten übertragen sich von Mensch zu Mensch über Tröpfcheninfektionen, Aerosole und virushaltige Sekrete auf Händen und Oberflächen1.

SARS-Coronavirus-2 (SARS-CoV-2)

Das SARS-Coronavirus-2 überträgt sich nach jetzigem Stand der Wissenschaft auf vielfältige Weise, wobei die respiratorische Übertragung die häufigste ist. Weitere mögliche Übertragungswege sind noch nicht abschließend geklärt. Mehr Informationen zu SARS-CoV-2

MERS-Coronavirus:

Das Virus überträgt sich zoonotisch, wofür ein enger Kontakt zum Tier nötig ist: Mindestens seit 2012 sind Dromedare die Quelle für primäre MERS-CoV-Infektionen des Menschen.
Die direkte Weitergabe von Mensch zu Mensch ist auch möglich, wurde allerdings in der Bevölkerung bislang nicht kontinuierlich beobachtet. Im häuslichen Umfeld überträgt sich das Virus nur selten1.


Umweltstabilität

Die Umweltstabilität von Coronavirus 229E, HKU1, NL63, OC43 und MERS gilt als vergleichbar mit anderen behüllten RNA-Viren wie dem Influenza-Virus, die respiratorische Erkrankungen auslösen können: In Flüssigkeiten oder Sekreten aus dem Respirationstrakt bleiben sie für einige Tage infektiös. Sie sind aber relativ empfindlich gegenüber Detergenzien, Hitze und Lösungsmitteln wie Ethanol1.

Das neue und pandemische SARS-CoV-2-Virus ist dahingehend noch nicht abschließend untersucht.


Mikrobiologie

Coronaviren sind behüllte Viren, die RNA als Erbmaterial enthalten.


Literatur

  1. Corman V. M. et al. Coronaviren als Ursache respiratorischer Infektionen. Internist 2019;60:1136.
  2. RKI. SARS-CoV-2 Steckbrief zur Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19). https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Steckbrief.html. Stand 16.10.2020.
  3. RKI. Risikobewertung zu COVID-19. https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Risikobewertung.html. Stand 23.09.2020.
  4. Chin A. W. H. et al. Stability of SARS-CoV-2 in different environmental conditions. The Lancet 2020;1:e10.
  5. van Doremalen A. et al. Aerosol and Surface Stability of SARS-CoV-2 as Compared with SARS-CoV-1. N Engl. J. Med. 2020; 82:1564.
  6. BfR. Kann das neuartige Coronavirus über Lebensmittel und Gegenstände übertragen werden? Aktualisierte FAQ des Bundesinstituts für Risikobewertung vom 10.09.2020.