FÜR ÄRZTE UND THERAPEUTEN

Chlamydia pneumoniae

Chlamydia pneumoniae ist ein sehr kleines, gramnegatives Bakterium, das obligat intrazellulär lebt1. Es gehört wie Mycoplasma pneumoniae zu den häufigsten Verursachern ambulant erworbener Pneumonien.
Neben Atemwegsinfekten kann sich eine Infektion manchmal auch als extrapulmonale, chronisch-inflammatorische Erkrankung manifestieren2.


Verbreitung

Das humanpathogene Bakterium Chlamydia pneumoniae kommt weltweit vor und löst oft respiratorische Erkrankungen aus.

Nur der Mensch gilt als Reservoir. Dabei beginnt die Durchseuchung mit Chlamydia pneumoniae bereits im Vorschulalter; im Alter über 60 Jahren beträgt sie bei Frauen 50 und bei Männern 70 Prozent1.

Das Respiratorische-Erreger-Panel weist Chlamydia pneumoniae in Atemwegsproben schnell und zuverlässig nach.


Erkrankungen & Symptomatik

Chlamydia-pneumoniae-Infektionen verlaufen oft asymptomatisch3. Treten Symptome auf, entwickeln Betroffene zunächst Fieber, Husten und Kopfschmerzen3. Im weiteren Verlauf können die Patienten ein breites klinisches Spektrum an akuten und chronischen Infektionen entwickeln. Dazu zählen:

  • Pharyngitis
  • Sinusitis
  • Bronchitis
  • ambulant erworbene Pneumonie.

Nach Schätzungen von Wissenschaftlern gehen 5 bis 15 Prozent der ambulant erworbenen Pneumonien auf Chlamydia pneumoniae zurück1. Die Pneumonien präsentieren sich oft atypisch: ohne oder mit nur milden bis moderaten Symptomen eines respiratorischen Infekts2.

Bei schwerem Verlauf können die Patienten eine Myokarditis und Encephalitis entwickeln. Auch die Exazerbation von Asthma bronchiale ist möglich3. Ältere Menschen, immungeschwächte Personen und Patienten mit chronischen Erkrankungen sind besonders gefährdet, schwer zu erkranken3.

Weitere schwere Erkrankungen könnten mit einer Chlamydia-pneumoniae-Infektion assoziiert sein, wie Studien an Mäusen nahelegen: Dazu zählen Arteriosklerose, Asthma, Lungenkrebs, Arthritis und neurologische Erkrankungen wie Morbus Alzheimer, Multiple Sklerose und Schizophrenie. Belege für den Zusammenhang bei Infektionen des Menschen stehen aber noch aus4.

Die Inkubationszeit beträgt eine bis vier Wochen1 - also länger als für viele andere respiratorische Erkrankungen2. Nach einer Infektion bilden sich Antikörper, die lange nachgewiesen werden können, aber nicht vor einer Reinfektion schützen1. Reinfektionen verlaufen meist harmloser als die Primärinfektion2.

Impfungen gegen Chlamydia pneumoniae stehen bislang nicht zur Verfügung.


Übertragung

Die Ansteckung erfolgt über Tröpfchen und Speichelkontakt von Mensch zu Mensch. Chlamydia pneumoniae kann viele Jahre im oberen Respirationstrakt persistieren, mit Hilfe einer PCR-basierten Diagnostik bleibt der Erreger im gesamten Zeitraum nachweisbar. Deshalb können infizierte Personen den Erreger wahrscheinlich lange übertragen1.


Diagnose und Therapieoptionen

Durch das Respiratorische-Erreger-Panel lässt sich Chlamydia pneumoniae in Atemwegsproben schnell und zuverlässig nachweisen.

Bei mildem Verlauf ist eine Erkrankung durch Chlamydia pneumoniae selbstlimitierend und die Betroffenen benötigen keine Medikamente.
In schweren Fällen ist eine rechtzeitige Antibiotikagabe nötig. Als Erstlinientherapie gilt eine Behandlung mit Makroliden, während gegen Penicilline, Ampicilline und Sulfonamide - in vitro - Resistenzen bestehen3. Bei einem Rezidiv ist ein zweiter Behandlungsdurchlauf notwendig.


Mikrobiologie

Chlamydien sind ungewöhnliche Bakterien, weil sie sich nur innerhalb menschlicher Zellen vermehren können. So entgehen sie der humoralen Immunabwehr und der Phagozytose durch Fresszellen1.

Die Bakterien kommen in zwei verschiedenen Formen vor:

  • Außerhalb der menschlichen Zelle existieren sie als infektiöse, aber nicht stoffwechselaktive Elementarkörperchen.
  • Hat die menschliche Zelle die Chlamydien über Rezeptor-vermittelte Endozytose aufgenommen, wandeln sich die Bakterien innerhalb der Zelle in nicht-infektiöse stoffwechselaktive Retikularkörperchen um.

Die Chlamydien nutzen die Energieressourcen der menschlichen Zelle, vermehren sich und bilden sich dann wieder zu Elementarkörperchen um. Durch Zelllyse verlassen sie die menschliche Zelle und starten einen neuen Infektionszyklus1,3.

Entgegen der weitverbreiteten Meinung besitzen Chlamydien eine bakterielle Zellwand. Sie benötigen die Zellwand, um zu wachsen, sich zu vermehren und Elementarkörperchen auszubilden. Allerdings bilden Chlamydien die Zellwand nur dann, wenn sie sich innerhalb der menschlichen Zelle vermehren. Gehen die Bakterien zu ihrer extrazellulären Form als Elementarkörperchen über, bauen sie die Zellwand wieder ab5.
Unter und über der transienten Zellwand liegt eine Membranschicht. Die obere Membranschicht enthält Lipopolysaccharide5,1.

Chlamydia pneumoniae gehört zur bakteriellen Ordnung der Chlamydiales und zur Familie der Chlamydiaceae3.