FÜR ÄRZTE UND THERAPEUTEN

Bordetella pertussis & parapertussis

Verbreitung

Das Bakterium Bordetella pertussis ist der Haupterreger des Keuchhustens - der Pertussis. Die Pertussis ist weltweit verbreitet3. In Deutschland tritt sie ganzjährig auf, mit etwas höherer Inzidenz in Herbst und Winter1. 

Bordetella parapertussis verursacht eine mildere Form des Keuchhustens2 mit einem keuchhusten-ähnlichen Krankheitsbild1. Das Bakterium war 2019 für neun Prozent der gemeldeten Keuchhusten-Erkrankungen verantwortlich1.

Das Respiratorische-Erreger-Panel erfasst Bordetella pertussis und Bordetella parapertussis schnell und zuverlässig.


Erkrankungen & Symptomatik

Bordetella pertussis-Infektionen können mehrere Wochen bis Monate andauern1. Die typische Erstinfektion bei Ungeimpften verläuft in drei Stadien:

  • Stadium catarrhale (1 bis 2 Wochen): erkältungsähnliche Symptome wie Schnupfen und leichter Husten, meist kein oder nur mäßiges Fieber;
  • Stadium convulsivum (4 bis 6 Wochen): anfallartige Hustenstöße - der Stakkatohusten - gefolgt von inspiratorischem Ziehen.
    Das typische Keuchen entsteht durch die plötzliche Inspiration gegen eine geschlossene Glottis am Ende des Anfalls. Die Hustenattacken gehen häufig mit Hervorwürgen von zähem Schleim und anschließendem Erbrechen einher. Die Attacken können sehr zahlreich sein, bei manchen Patienten treten sie vor allem nachts auf. Fieber fehlt weiterhin oder ist gering ausgeprägt; höhere Temperaturen können auf eine bakterielle Sekundärinfektion hinweisen.
  • Stadium decrementi (6 bis 10 Wochen): Die Hustenanfälle klingen allmählich ab1.

Bei Jugendlichen und Erwachsenen und bei vielen geimpften Kindern macht sich die Pertussis oft nur als lang andauernder Husten bemerkbar - ohne Stakkatohusten, inspiratorischen Stridor oder Erbrechen. Auch bei Säuglingen findet man häufig untypische Krankheitsverläufe, nicht selten stehen hier Apnoen im Vordergrund.

Säuglinge haben das höchste Risiko für schwerwiegende Komplikationen. Ein hoher Anteil aller Krankenhausbehandlungen und fast alle Todesfälle betreffen junge, ungeimpfte Säuglinge unter sechs Monaten1.
Die häufigste Komplikation ist die Pneumonie. Weitere Komplikationen sind Otitiden, Sinusitiden, Inkontinenz, Hernien, Rippenfrakturen und subkonjunktivale oder selten sogar zerebrale Blutungen. Als seltene neurologische Komplikationen - vor allem bei hospitalisierten Säuglingen - können zerebrale Krampfanfälle und Enzephalopathien auftreten1.

Die Inkubationszeit für Pertussis beträgt meist neun bis zehn Tage1.

Impfung: Impfstoffe gegen Bordetella-pertussis-Infektionen stehen zur Verfügung, sie können aber Infektionen mit Bordetella parapertussis nicht verhindern1.


Übertragung

Die Infektion überträgt sich durch Tröpfchen, die entstehen, wenn eine infektiöse Person hustet, spricht oder niest. Im Umkreis von bis zu einem Meter können sich Kontaktpersonen so anstecken1,2.


Mikrobiologie

Bordetella pertussis und Bordetella parapertussis gehören zum Phylum der Proteobacteria3. Beide sind Gram-negative, unbewegliche Stäbchen, die sich nur auf dem zilientragenden Epithel des Respirationstrakts vermehren können1,2.

Bordetella pertussis verursacht häufiger Infektionen und löst schwerere Erkrankungen aus. Das Bakterium zerstört die Mukosa des Respirationstrakts und bildet viele Toxine und Virulenzfaktoren. Einige der Toxine schwächen die lokale Immunabwehr und erleichtern Bordetella pertussis so die Infektion1.


Literatur

  1. RKI. Keuchhusten. RKI-Ratgeber, Stand 06.04.2020.
  2. Finger H. & C. H. Wirsing von Koenig. Bordatella. In: Baron S. (Hrsg.). Medical Microbiology, 4th edition. Galveston (TX): University of Texas Medical Branch at Galveston; 1996.
  3. WHO (word health organisation). Pertussis. https://www.who.int/health-topics/pertussis#tab=tab_1 ,abgerufen am 17.09.2020.
  4. Centers of Disease Control an Prevention (CDC). Pertussis (Whooping Cough), Stand 18.11.2019.