FÜR ÄRZTE UND THERAPEUTEN

Adenovirus A bis G

Verbreitung

Adenovirus-Infektionen sind weltweit verbreitet, jahreszeitliche Häufungen sind nicht erkennbar3. Infektionen und räumlich begrenzte Epidemien treten besonders in Gemeinschaftseinrichtungen wie Pflegeeinrichtungen, Kinderkrankenhäusern und Militäreinrichtungen auf.1,2,4,5,6


Mikrobiologie

Die Adenoviren sind eine Gruppe unbehüllter und damit sehr widerstandsfähiger Viren, die doppelsträngige DNA als Erbmaterial enthalten. Es gibt sieben Adenovirus-Arten, die mit A bis G bezeichnet sind und gemeinsam über 50 unterschiedliche Adenovirus-Serotypen umfassen1.
Das Respiratorische-Erreger-Panel weist alle Adenovirus-Arten in Atemwegsproben schnell und zuverlässig nach.


Erkrankungen & Symptomatik

Adenovirus-Infektionen verlaufen meist asymptomatisch. Treten Symptome auf, sind sie bei Kindern unter zwei Jahren stärker ausgeprägt als bei älteren Kindern und Erwachsenen. Bei stark immunsupprimierten Patienten - zum Beispiel nach einer Knochenmarkstransplantation - kann es zu besonders schweren Krankheitsverläufen kommen.

Die infizierende Adenovirus-Art und der zugehörige Serotyp bestimmen, welche Erkrankung auftritt1:

  • Adenoviren B, C und E: Atemwegsinfekte
  • Adenovirus C: Zystitiden
  • Adenoviren A, F und G: überwiegend Magen-Darm-Infektionen
  • Adenovirus D: epidemische Keratokonjunktividen1.

Am häufigsten verursachen Adenoviren Atemwegserkrankungen2. Etwa eine Woche nach der Ansteckung können Fieber und Halsschmerzen auftreten. Bindehautentzündungen, Durchfall und Erbrechen begleiten teilweise die erkältungsähnlichen Symptome. Nach einer Woche klingen die Beschwerden im Allgemeinen wieder ab, sie können aber auch in eine Bronchial- oder Lungenentzündung übergehen1.

Impfung

Ein Impfstoff gegen adenovirale Atemwegsinfekte steht für die Allgemeinbevölkerung nicht zur Verfügung. Nur für Rekruten des US Militärs ließ die U. S. Food and Drug Administration (FDA) 2011 einen oralen Lebensimpfstoff zu - basierend auf dem Serotyp 4 des Adenovirus E und dem Serotyp 7 des Adenovirus B 1.


Übertragung

Adenoviren übertragen sich durch den direkten Kontakt mit infizierten Patienten, Aerosolen, kontaminierten Gegenständen und Flüssigkeiten1. Da Adenoviren sehr widerstandsfähig sind, überleben sie lange auf Oberflächen wie Türgriffen und medizinischen Instrumenten2. Ein enges Zusammenleben begünstigt die Übertragung.

Die Viren können jahrelang in den Tonsillen und im intestinalen Lymphgewebe infizierter Personen persistieren und von den betroffenen Personen über Speichel und Stuhl ausgeschieden werden1.


Literatur

  1. RKI. Infektionen mit humanen Adenoviren. Epidemiologisches Bulletin 22, Stand 29.05.2019.
  2. Centers of Disease Control and Prevention (CDC): Adenoviruses. www.cdc.gov/adenovirus/index.html. Stand 28.08.2019, abgerufen am 11.08.2020.
  3. RKI Ratgeber. Adenovirus-Konjunktivitis: www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Adenovirus_Konjunktivitis.html. Stand 18.03.2020, abgerufen am 11.08.2020.
  4. Calder, J. A. M. et al. Adenovirus type 7 genomic-type variant, New York City.  Emerg. Infect. Dis. 2004;10:149.
  5. Metzgar, D. et al. Abrupt emergence of diverse species B adenoviruses at US military recruit training centers. J. Infect. Dis. 2007;196:1465.
  6. Russell, K. L. et al. Transmission dynamics and prospective environmental sampling of adenovirus in a military recruit setting. J. Infect. Dis. 2006;194:877.