Wecker und Klorolle mit aufgemaltem traurigen Smiley

FÜR ÄRZTE UND THERAPEUTEN

Hohe Diversität der Darm-Mikrobiota

Immer ein Gesundheitsmarker?

Artenreichtum steht im Allgemeinen für ein gesundes und stabiles Ökosystem. Davon waren Wissenschaftler auch beim mikrobiellen Ökosystem im Darm ausgegangen. Doch so einfach scheint es nicht zu sein: Wie eine Studie niederländischer Wissenschaftler gezeigt hat, kann eine größere Artenvielfalt im Stuhl auch einen Ballaststoffmangel und eine verstärkte Proteinverdauung anzeigen.1

Welche Nährstoffe wir zu uns nehmen, hat großen Einfluss auf die Zusammensetzung der Darm-Mikrobiota. Auch die Transitzeit des Chymus spielt in dem Zusammenhang eine Rolle. Niederländische Wissenschaftler haben deshalb mit Hilfe röntgendichter Marker untersucht, wie sich die Dickdarm-Transitzeit auf die mikrobielle Diversität und die gebildeten Stoffwechselprodukte auswirkt.


Verstopfung erhöht Diversität - und Giftstoffe

Das Ergebnis: War die Transitzeit im Colon descendens verlängert, erhöhte sich die bakterielle Diversität. Nach Meinung der Wissenschaftler dürfte die geringere Verfügbarkeit von Nährstoffen die Ursache dafür sein. Denn bleibt der Chymus länger im Darm, verbrauchen die Bakterien die vorhandenen Ballaststoffe. In der Folge entsteht ein Ballaststoffmangel - besonders bei einer ohnehin schon ballaststoffarmen westlichen Ernährung.

Dadurch gewinnt der energetisch weniger ergiebige Abbau von Proteinen an Bedeutung. Das dämpft das Wachstum schnell wachsender Bakterienarten und begünstigt das Wachstum langsam wachsender, spezialisierter Konkurrenten. Insgesamt erhöht sich dadurch die bakterielle Vielfalt.
Doch der verstärkte Proteinabbau setzt vermehrt toxische Stoffwechselprodukte frei, wie phenolische Verbindungen, Amine und Ammoniak. Die Stoffe werden zum Teil in den Körper aufgenommen und lassen sich im Urin nachweisen.2

Die Konzentration der kurzkettigen Fettsäuren (SCFA) war bei einer längeren rektosigmoidalen Transitzeit dagegen erniedrigt. Da die kurzkettigen Fettsäuren vor allem bei der Fermentation von Ballaststoffen entstehen, spiegelt auch das den Ballaststoffmangel im distalen Darm wider.

Eine höhere bakterielle Diversität im Darm zeigt demnach nicht prinzipiell ein gesundes Darm-Milieu an.


Stuhlkonsistenz nicht gleich Transitzeit

Die Studie hatte noch ein interessantes Nebenergebnis: Die Stuhlkonsistenz eignet sich nicht, um die Dickdarm-Transitzeit des Chymus einzuschätzen. Denn die selbstberichtete Stuhlkonsistenz korrelierte nicht wie erwartet mit der objektiveren röntgendichten Messung der Kolonpassagezeit.
Die Stuhlkonsistenz kann jedoch die Wasseraufnahme im Dickdarm und die peristaltische Durchmischung widerspiegeln -  ebenfalls Faktoren, die die Verfügbarkeit von Nährstoffen und die Zusammensetzung der Darmmikrobiota beeinflussen.


Verwandte Diagnostik-Parameter

KyberBiom

die intelligente Mikrobiom-Diagnostik mit Resilienz-Index, funktionellen Gruppen und FODMAP-Typ

Abdominalbeschwerden

Die biochemischen Parameter des KyberPlus klären die Ursachen unklarer Abdominalbeschwerden ab.

CystitisCheck

- die neue Diagnostik für eine phasenabhängige und effektive Therapie der rezidivierenden Cystitis