Frau auf der Couch hält sich die Blase

FÜR ÄRZTE UND THERAPEUTEN

Aerobe Vaginitis -

Vaginale Dysbiose mit sichtbarer Entzündung

Eine vaginale Dysbiose kann sich nicht nur in einer bakteriellen Vaginose, sondern auch in einer aeroben Vaginitis äußern. Das Krankheitsbild der aeroben Vaginitis ist seit 2002 bekannt1. Zwischen 5 und 24 Prozent der Frauen mit vaginalen Beschwerden und 8 bis 11 Prozent der schwangeren Frauen leiden darunter2.

Bei der aeroben Vaginitis vermehren sich aerobe Begleitbakterien, die in der gesunden Vagina nur in geringen Zellzahlen vorkommen. Dazu gehören E. coli, Enterococcus-Arten, Staphylococcus aureus und Streptococcus agalactiae3. Die Bakterien bevorzugen eine aerobe Umgebung, können aber auch unter Sauerstoffabwesenheit wachsen. Sie verdrängen die natürliche Laktobazillenflora und senken damit die Laktatkonzentration in der Vagina. Während sich also bei der bakteriellen Vaginose streng anaerobe Bakterien übermäßig vermehren3, entwickelt sich die Dysbiose bei der aeroben Vaginitis in die aerobe Richtung.

Begleitbakterien wie ß-B-Streptokokken (Streptococcus agalactiae), E. coli und Enterococcus-Arten lassen sich über die VaginalStatus-Diagnostik nachweisen.  


Sichtbare Entzündung ist ausschlaggebend

Im Gegensatz zur bakteriellen Vaginose ist bei der aeroben Vaginitis eine Entzündung offensichtlich: Das Gewebe ist gerötet und Leukozyten wandern in das entzündete Gewebe ein3. Die Epithelschicht ist dünner als bei Frauen mit bakterieller Vaginose und schilfert schnell ab, deshalb sind neben Leukozyten auch vermehrt Parabasalzellen im Vaginalabstrich sichtbar2. Die Parabasalschicht liegt im Vaginalepithel unter der Intermediärschicht und der darauf aufgelagerten Superfizialschicht.

Schwere Formen der aeroben Vaginitis ähneln der desquamativen inflammatorischen Vaginitis (DIV). Sie ist eine immunologische Störung der Vaginalwand und wird als frühe Form eines Lichen ruber der Vagina diskutiert1,4.


Erhöhtes Risiko für Infektionen und Schwangerschaftskomplikationen

Bei der aeroben Vaginitis ist das Risiko erhöht, sich mit sexuell übertragbaren Erregern zu infizieren: Dazu gehören Neisseria gonorrhoeae, Chlamydia trachomatis, Mycoplasma genitalium, Trichomonas vaginalis, HIV und HPV3,5,6.

Auch das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen und gynäkologische Erkrankungen steigt bei einer aeroben Vaginitis an - darunter aufsteigende bakterielle Infekte und Entzündungen, das Amnioninfektionssyndrom, Nabelschnurentzündungen und vorzeitiger Blasensprung. Für vorzeitige Wehen und Frühgeburten ist das Risiko noch einmal höher als bei der bakteriellen Vaginose1,2,3,5.


Klinische Symptome: Entzündung, Juckreiz und klebriger Ausfluss

Zu den klinischen Symptomen einer aeroben Vaginitis gehören:

  • Rötung des Vaginalbereichs mit sichtbarer Entzündung
  • Juckreiz
  • Brennen
  • Schmerzen während des Geschlechtsverkehrs
  • grün-gelblicher, klebriger Ausfluss, der nicht fischig riecht

Der pH-Wert liegt oft über 61,3. Allerdings kann der pH-Wert trotz Dysbiose deutlich niedriger sein, denn die Bakterien einer aeroben Vaginitis können zwar kein Laktat, aber verschiedene andere Säuren bilden, die den pH-Wert senken. Eine aerobe Vaginitis lässt sich deshalb nicht verlässlich über eine pH-Wert-Messung ausschließen.


Diagnostik für zielgerichtete Therapie – zum Beispiel mit Vitamin D3

Um eine geeignete Therapie einzuleiten, ist es wichtig, zwischen aerober Vaginitis, bakterieller Vaginose und Vaginalmykose zu unterscheiden2.
Die Kombination aus klinischem Bild, mikroskopischem Leukozytennachweis und mikrobiologischer Diagnostik (z.B. VaginalStatus) ermöglicht eine verlässliche Diagnose der aeroben Vaginitis.

Bei Frauen mit aerober Vaginitis oder desquamativer inflammatorischer Vaginitis (DIV) beobachteten Wissenschaftler interessanterweise einen Vitamin D3-Mangel im Serum. Vitamin D3 beeinflusst die Barrierefunktion und Integrität des Vaginalepithels und wirkt östriolartig7,8. Die Wissenschaftler substituierten mit Vitamin D3 und konnten die betroffenen Frauen heilen.


Verwandte Diagnostik-Parameter:

Vaginale Dysbiose

Bei einer bakteriellen Vaginose ist das natürliche Gleichgewicht der Vaginalflora gestört.

Urogenitalinfekte

Ursachen einer infektiösen Balanitis oder wiederkehrender Vaginosen der Partnerin nachweisen

CystitisCheck

neu entdeckten Auslöser rezidivierender Zystitiden nachweisen