Pärchen unter der Decke, Sexuell übertragbare Krankheiten

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Trichomoniasis: Symptome, Folgeerkrankungen und Nachweis

Die Trichomoniasis gehört zu den häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten in Deutschland. Etwa acht Prozent der Frauen und ein Prozent der Männer sind davon betroffen. Ursache ist die Infektion mit dem parasitischen Einzeller Trichomonas vaginalis, der im Rahmen des VaginalStatus nachgewiesen wird.


Symptome bei Frauen

Bei Frauen besiedelt der Parasit oft asymptomatisch den unteren Urogenitaltrakt. Allerdings entwickelt ein Drittel der zunächst asymptomatischen Frauen spätestens nach sechs Monaten Symptome. Meist sind die Vagina, die Harnröhre und die Endozervix betroffen.

Die Symptome sind:

  • übelriechender, grün-gelber vaginaler Ausfluss
  • Harnzwang
  • Juckreiz
  • heftige Vulvitis
  • Ausfluss aus der Harnröhre
  • möglicherweise Unterleibsschmerzen

Der vaginale pH-Wert steigt dabei auf über fünf an. Die Infektion kann bei Frauen über Monate oder sogar Jahre bestehen.


Symptome bei Männern

Auch bei Männern besiedelt der Parasit meist asymptomatisch den Urogenitaltrakt - nur 13 Prozent der betroffenen Männer zeigen Symptome. Meist entzündet sich die Harnröhre, seltener der Nebenhoden und die Prostata. Die Spermiengeschwindigkeit kann sich durch die Infektion verringern.

Die Symptome sind:

  • Schmerzen beim Wasserlassen
  • Schmerzen bei der Ejakulation
  • Harnzwang
  • dünner weißer Ausfluss aus dem Penis
  • Schmerzen, Schwellungen und Rötungen um Eichel und Vorhaut.

Männer haben die Infektion meist nach weniger als zehn Tagen überstanden.


Inkubationszeit und Rezidive

Die Inkubationszeit beträgt 4 bis 28 Tage. 
Rezidive sind bei der Trichomoniasis häufig: In 5 bis 31 Prozent der Fälle tritt die Krankheit erneut auf. Ursachen sind Therapieversagen und erneute Infektionen. Da die mikroskopische Diagnostik der Trichomoniasis unsicher ist, bleibt die Erkrankung oft unerkannt und unbehandelt.


Folgen einer unbehandelten Trichomoniasis

Die Trichomoniasis erhöht das Risiko für eine HIV-Infektion und Infektionen mit Herpes simplex-Viren und ist mit Erkrankungen wie Candidose und Gonorrhoe assoziiert.

Wahrscheinlich verändert die Trichomoniasis die vaginale Mikrobiota und erhöht so das Risiko für eine bakterielle Vaginose; umgekehrt erhöht aber auch eine bakterielle Vaginose das Risiko für eine Trichomonas-Infektion. 

Schwangerschaftskomplikationen können ebenfalls die Folge einer Trichomonas-vaginalis-Infektion sein: Dazu gehören vorzeitiger Blasensprung, Frühgeburten und untergewichtige Neugeborene.

Außerdem tritt die entzündliche Erkrankung des Beckens (PID, Pelvic inflammatory Disease) in Verbindung mit einer Trichomoniasis gehäuft auf.


Geißeltierchen Trichomonas vaginalis

Trichomonas vaginalis besitzt mehrere Geißeln, ist damit beweglich und hat in der Regel eine ovale Form. Der Parasit kann sich aber auch amöboid verformen. 
Er ist 10 bis 20 µm lang und 2 bis 14 µm breit – also zwei- bis zehnmal länger und deutlich breiter als die vaginalen Laktobazillen.

Trichomonas vaginalis wird nur von Mensch zu Mensch übertragen, im Allgemeinen durch Geschlechtsverkehr.
Der räuberische Parasit phagozytiert Bakterien, vaginale Epithelzellen und Erythrozyten; das Immunsystem geht mit Hilfe der Makrophagen gegen den Erreger vor. 
Außerhalb des Körpers kann Trichomonas vaginalis nicht gut überleben, nur in feuchter Umgebung übersteht er mehr als drei Stunden. Der Parasit bildet keine Zyste, möglicherweise aber eine Pseudozyste.

Weitere Infektionserreger unter den Geißeltierchen - den Flagellaten - sind: Giardia lamblia, die Trypanosomen und Leishmanien.


PCR-Nachweis sensitiver als Mikroskopie

Im Vaginalsekret ist Trichomonas vaginalis lichtmikroskopisch sichtbar. Allerdings muss innerhalb von zehn Minuten nach Probenentnahme mikroskopiert werden, da der Einzeller im Präparat instabil und nach kurzer Zeit nicht mehr sichtbar ist. Die Sensitivität des mikroskopischen Nachweises liegt nur bei 50 bis 70 Prozent.

Beim Nachweis mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR) liegt die Sensitivität dagegen bei 95 bis 100 Prozent. Deshalb nutzt das Institut für Mikroökologie das PCR-Verfahren, um eine Trichomonas-vaginalis-Infektion mit höchstmöglicher Sicherheit nachzuweisen.


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