FÜR ÄRZTE UND THERAPEUTEN

Vitamin D für ein geringeres Infektionsrisiko

Die COVID-19-Pandemie wird unser Leben noch über viele Monate beeinflussen. Neben Quarantänen und Abstandsregelungen brauchen wir deshalb dringend weitere Maßnahmen, um das allgemeine Infektions- und Sterberisiko zu verringern.
Amerikanische und ungarische Wissenschaftler um William Grant vom Sunlight, Nutrition, and Health Research Center in San Francisco haben in der Fachzeitschrift Nutrients einen Review zum Vitamin D veröffentlicht.1 Der Review beleuchtet, inwieweit Vitamin D das Risiko für Atemwegsinfektionen senken kann.

Folgende Korrelationen unterstützen nach Meinung der Autoren die These, nach der Vitamin D das Risiko verringern kann, an COVID-19 zu erkranken:

  • Der COVID-19-Ausbruch fand im Winter statt - einer Zeit, zu der die 25-OH-Vitamin-D-Konzentration niedrig ist. 25-OH-Vitamin-D ist die Speicherform des in der Haut gebildeten Vitamin D3.
  • In der südlichen Hemisphäre sind die COVID-19-Fallzahlen zum Ende des Sommers dagegen niedrig.
  • Ein Vitamin-D-Mangel trägt zum akuten Atemnotsyndrom bei.
  • Die Todesrate steigt bei COVID-19 mit dem Alter und der Komorbidität; beides ist mit einer geringeren Konzentration an 25-OH-Vitamin-D verbunden.

Vitamin D setzt verschiedene Mechanismen in Gang, die das Risiko einer viralen Infektion und eines tödlichen Ausgangs der Erkrankung verringern können:

Integre Tight Junctions und antimikrobielle Peptide

Viren können an den Tight Junctions angreifen, um sich besseren Zugang zum Wirt zu verschaffen. Hier hilft das Vitamin D, die Integrität der Tight Junctions aufrecht zu erhalten. 

Außerdem verstärkt Vitamin D die angeborene, zelluläre Immunität, indem es antimikrobielle Peptide wie die Cathelicidine und Defensine induziert. Cathelicidine wirken gegen Gram-positive und Gram-negative Bakterien, verhüllte und unverhüllte Viren und Pilze.
Die antimikrobiellen Peptide können eindringende Krankheitserreger abtöten, indem sie Störungen in der Zellmembran hervorrufen. Darüber hinaus können sie Endotoxine neutralisieren. Das Cathelicidin LL-37 verringerte die Replikation des Influenza-A-Virus - zumindest im Mausmodell.


Anti-inflammatorische Wirkung auf mehreren Ebenen

Vitamin D schwächt den Zytokin-Sturm ab, den das angeborene Immunsystem auslösen kann und der auch bei COVID-19-Patienten beobachtet wird. Die pro-inflammatorischen Zytokine sind mitverantwortlich für die Vorgänge, die die Lungenschleimhaut schädigen und letztendlich zu einer Lungenentzündung führen.

Die Gabe von Vitamin D reduziert die Bildung pro-inflammatorischer Zytokine und verstärkt die Bildung anti-inflammatorischer Zytokine durch Makrophagen.

Vitamin D moduliert außerdem die erworbene Immunität. Die aktivste Form des Vitamin D – das 1,25(OH)2-Vitamin D - unterdrückt Antworten, die die T-Helferzellen vom Typ 1 vermitteln; in erster Linie indem es die Produktion der pro-inflammatorischen Zytokine IL-2 und Interferon γ unterdrückt. Dagegen verstärkt das 1,25(OH)2-Vitamin D die Zytokin-Produktion der T-Helferzellen vom Typ 2. Außerdem fördert die aktivste Form des Vitamins die Induktion regulatorischer T-Zellen und hemmt auch dadurch inflammatorische Prozesse.


Vitamin-D-Konzentration im Alter verringert

Im Alter nimmt die 25-OH-Vitamin-D-Konzentration im Serum ab, was für COVID-19 von Bedeutung sein könnte. Ältere Menschen verbringen meist weniger Zeit in der Sonne und nehmen gleichzeitig mehr Medikamente ein, die die 25-OH-Vitamin-D-Konzentration im Serum senken. Dazu zählen Antikonvulsiva, antineoplastische Mittel, Antibiotika, anti-inflammatorische Agenzien, blutdrucksenkende Mittel, antiretrovirale Mittel, endokrine Disruptoren und einige Phytopharmaka.


Vitamin-D-Gabe

Die Autoren des Reviews empfehlen deshalb Personen mit erhöhtem Infektionsrisiko:

  • 10.000 IE Vitamin D3 pro Tag über wenige Wochen, um die 25-OH-Vitamin-D-Konzentration schnell anzuheben
  • anschließend 5.000 IE Vitamin D3 pro Tag; Ziel sollte es sein, die 25-OH-Vitamin-D-Konzentration über 40 bis 60 ng pro ml anzuheben.

Zur Behandlung von Patienten mit COVID-19 halten die Autoren noch höhere Vitamin D3-Dosen für sinnvoll. 

Da eine Überdosierung von Vitamin D den Kalziumspiegel in ungesunde Höhen treiben kann, ist die Bestimmung des individuellen Vitamin-D-Spiegels vor und während der Supplementierung wichtig.

Randomisierte, kontrollierte Studien und große epidemiologische Studien sollten nach Meinung der Review-Autoren die Supplementierungsempfehlungen weiter evaluieren.


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