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Auslassdiät bessert effektiv Symptome

Typ-III-Allergien bei Reizdarmpatienten

Typ-III-Allergien können Entzündungen im ganzen Körper auslösen, wenn Betroffene die unverträglichen Lebensmittel dauerhaft verzehren. Immer wieder entstehen dann neue Immunkomplexe, die sich im Subendothel kleiner Blutgefäße ablagern. Sind die Gefäße der Darmwand davon betroffen, können reizdarmartige Symptome die Folge sein.

Verzichten Betroffene auf die allergieauslösenden Lebensmittel, können sie ihre Lebensqualität deutlich verbessern, wie eine aktuelle polnische Studie1 gezeigt hat.


Studie vergleicht drei Ernährungsregimes

An der Studie nahmen 73 Frauen mit einem durchschnittlichen Alter von 41,7 Jahren teil. Sie litten am Reizdarmsyndrom vom gemischten Typ (RDS-M).
D
ie Probandinnen wurden in drei Gruppen mit unterschiedlichem Diätregime aufgeteilt, das sie für acht Wochen befolgen sollten:

  • Gruppe 1 bestand aus 26 Frauen, die einen Diätplan mit FODMAP-armer Ernährung erhielten. Lebensmittel mit hohem FODMAP-Gehalt können Reizdarmbeschwerden verschlimmern2. Bei FODMAPs handelt es sich um fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide und Polyole.
    Die Frauen bekamen eine individuelle Ernährungsberatung, einen Beispiel-Menüplan (Energiewert der Diät: 1800 - 2300 kcal) für sieben Tage und eine Tabelle mit Produkten, die in der FODMAP-Diät empfohlen oder kontraindiziert sind.
  • Gruppe 2 umfasste 21 Probandinnen. Bei ihnen wurden die IgG-Antikörpertiter als Reaktion auf 269 verschiedene Lebensmittel gemessen. Die Frauen bekamen ebenfalls eine Ernährungsberatung und Beispielmenüs (Energiewert der Diät: 1800 - 2300 kcal), die auf das Testergebnis abgestimmt waren. Sie ließen jeweils alle Lebensmittel weg, auf die sie mit erhöhten IgG-Titern reagiert hatten. IgG-negative Lebensmittel waren in einer Rotationsdiät zugelassen. Rotationsdiät bedeutet, die zugelassenen Lebensmittel nicht täglich zu verzehren, sondern nur jeden vierten Tag.
  • Gruppe 3 mit 26 Probandinnen diente als Kontrolle. Ihr Gastroenterologe empfahl den Patientinnen eine leicht verdauliche Diät. Die Diät folgte den Maßgaben einer gesunden Ernährung, deckte den Energiebedarf und lieferte die gleiche Nährstoffmenge wie eine normale Diät.
    Während Durchfallperioden war eine fettarme Diät angesagt, die auch nur geringe Mengen an unlöslichen Ballaststoffen enthielt;
    während Verstopfungsperioden stand eine ballaststoffreiche Diät mit 30 - 50 g Ballaststoffen täglich auf dem Plan.


Reizdarm-Symptome abgefragt

Vor und nach der diätetischen Behandlung füllten die Frauen einen Fragebogen zu ihren Reizdarmbeschwerden aus. Die Fragen konnten sie nur mit "Ja" oder "Nein" beantworten. Abgefragt wurden typische klinische Symptome, dyspeptische Symptome und extraintestinale Symptome:

Vor der diätetischen Behandlung bejahten die Frauen insgesamt alle Symptome in unterschiedlichen Kombinationen. Dabei waren Meteorismus mit fast 90 Prozent, Völlegefühl mit 77 Prozent und Gurgelgeräusche am häufigsten, gefolgt von Schwierigkeiten mit der Defäkation (Obstipation), Schmerzen und dem Gefühl der unvollständigen Entleerung. Fast ein Drittel der Frauen klagte auch über ständige Müdigkeit und Schwäche.


IgG-Eliminationsdiät überlegen

Nach der achtwöchigen Diät füllten die Frauen erneut den Fragebogen aus. Dabei zeigte sich: Nur in der Gruppe mit der IgG-basierten Eliminationsdiät verringerten sich nach der diätetischen Intervention statistisch signifikant:


  • idiopathische Bauchschmerzen
  • Bauchschmerzen nach einer Mahlzeit
  • Bauchschmerzen während der Defäkation
  • das Gefühl einer unvollständigen Entleerung.

Von Schleim im Stuhl berichteten vor der Behandlung 30,8% der Patientinnen aus der FODMAP-Gruppe, 28,6% der Patientinnen aus der Gruppe mit der Eliminationsdiät und 19,2% der Patientinnen aus der Kontroll-Gruppe. Während der Abschlussuntersuchung hatte sich das Symptom in der FODMAP-Gruppe signifikant verbessert - nur 7,7% der Patientinnen berichteten noch von Schleim im Stuhl - und bei den Patientinnen in der IgG-basierten Eliminationsdiät-Gruppe trat das Symptom überhaupt nicht mehr auf.


Typische Beschwerden deutlich reduziert

Die typischen Symptome Blähungen, Gurgeln und Magenfülle nahmen in der FODMAP-Gruppe und in der Gruppe mit der Eliminationsdiät signifikant ab - in Gruppe 2 ließ auch die Verstopfung nach.
In der Abschlussuntersuchung war die Übelkeit bei den Probandinnen aus beiden Gruppen verschwunden, in Gruppe 2 auch das Aufstoßen. Nur eine statt vorher sieben Frauen aus der Gruppe mit der Eliminationsdiät litt noch an Sodbrennen.

Nur in der Gruppe mit der Eliminationsdiät hatte die zuvor berichtete ständige Müdigkeit und Schwäche signifikant abgenommen - auch hier war nur noch eine Frau von vorher sieben betroffen.


Beim Reizdarmsyndrom lohnt diätetischer Ansatz

Beim Reizdarmsyndrom ist die Ernährung ein wesentlicher Faktor, auch wenn die genetische Prädisposition, die Zusammensetzung der Darm-Mikrobiota, gastrointestinale Infektionen und psychosoziale Faktoren ebenfalls eine Rolle spielen.

Viele Reizdarm-Patienten würden eine diätetische Lösung der Einnahme von Medikamenten vorziehen. Die Studie zeigt: Ein personalisierter Ernährungsansatz unter Beachtung vorliegender Typ-III-Allergien ist dabei wirksamer als allgemeine Ernährungsempfehlungen - und sogar wirksamer als eine Diät mit niedrigem FODMAP-Gehalt, wenn sie unabhängig vom FODMAP-Typ der Darm-Mikrobiota durchgeführt wird.
Nur unter der IgG-Eliminations-Rotations-Diät besserten sich alle abgefragten Reizdarmsymptome signifikant.

Rezeptvorschläge und Menüpläne sind eine gute Möglichkeit, die Compliance bei einem diätetischen Ansatz zu verbessern.

Bitte beachten Sie:

Wie bei vielen innovativen, diagnostischen Verfahren gibt es auch bei der Typ-III Allergiediagnostik gegen Lebensmittel Befürworter und Gegner. Besonders die Fachgruppe der deutschsprachigen Allergologen steht dem IgG-Antikörpertest im Zusammenhang mit Nahrungsmittelallergien laut einer aktuellen Leitlinie kritisch bis ablehnend gegenüber.

Zur Stellungnahme IgG-Diagnostik


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