Mikrooek wird geladen...
Lebensmitteletiketten richtig lesen • mikrooek.de

HAUSÄRZTLICHE VERSORGUNG

Lebensmittel-Etiketten richtig lesen

Eigentlich eine gute Sache: Für Lebensmittel ist gesetzlich eine einheitliche Grundkennzeichnung vorgeschrieben. Sie soll dem Verbraucher helfen, sich in dem unüberschaubaren Lebensmittelangebot zurechtzufinden und die für ihn richtige Kaufentscheidung zu treffen. Gerade Menschen, die unter Allergien leiden oder eine bestimmte Diät halten müssen – zum Beispiel Diabetiker –, sind auf die Angabe der Inhaltsstoffe angewiesen.

Wer die Lebensmitteletiketten liest, ist aber oft verwirrt. Die Begriffe auf den Lebensmitteln stammen größtenteils aus dem Bereich der Lebensmittelwissenschaft und aus dem Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz (LMBG). Die Bezeichnungen sind dort zwar eindeutig, aber für den Verbraucher nicht unbedingt verständlich definiert: Hinter den E-Nummern auf den Lebensmittelverpackungen verbergen sich zum Beispiel nicht nur Farbstoffe, sondern auch Konservierungsstoffe und Trennmittel. Es können auch mehrere Bezeichnungen ein und dieselbe Zutat beschreiben, die dann mehrfach in der Zutatenliste auftaucht. Wer also wissen will, was in der Tütensuppe oder dem Früchtejoghurt steckt, muss etwas „Fachchinesisch“ lernen. Das ist aber gar nicht so schwer.

Was muss auf der Verpackung stehen?

Wenn Sie zu Hause nicht eine böse Überraschung erleben möchten, studieren Sie schon im Laden gründlich das Etikett. Denn ein Produkt kann durchaus Zutaten enthalten, mit denen Sie nicht gerechnet haben. Und die Bilder auf der Verpackung gaukeln manchmal mehr Inhalte vor, als tatsächlich vorhanden ist.

Gesetzlich vorgeschriebene Angaben auf den Lebensmitteletiketten sind: Verkehrsbezeichnung, Zutatenverzeichnis, Mindesthaltbarkeitsdatum oder Verbrauchsdatum, Hersteller-, Preis- und Mengenangabe.

Die Verkehrsbezeichnung

Hinter der verkehrsüblichen Bezeichnung verbirgt sich der Name wie "helle Soße" oder die Beschreibung des Produktes wie "Tortellini mit Gemüsefüllung". Phantasienamen wie "Hochzeitssuppe", Herstellermarken wie Tchibo oder Haribo und Handelsmarken wie "Ja" dürfen die Verkehrsbezeichnung nicht ersetzen.

Das Zutatenverzeichnis

Das Zutatenverzeichnis gibt an, aus welchen Bestandteilen sich das Lebensmittel zusammensetzt. Auf fertig verpackter Ware müssen die Zutaten und die Zusatzstoffe stehen, die bei der Herstellung verwendet wurden.

Zusatzstoffe müssen in der Zutatenliste immer mit dem so genannten „Klassennamen“ angegeben werden, das heißt: Der Grund für ihre Verwendung muss sich aus dem Namen ableiten lassen, wie zum Beispiel bei "Geschmacksverstärker" oder "Konservierungsstoff". Dazu gehört entweder der Name der Substanz oder die E-Nummer. Die Angabe kann also beispielsweise bei einer Gewürzsoße lauten: „Verdickungsmittel E 412“ oder „Verdickungsmittel Guarkernmehl“.

Mindestens haltbar bis...

Das Mindesthaltbarkeitsdatum gibt den Zeitpunkt an, bis zu dem das ungeöffnete Lebensmittel bei richtiger Lagerung mindestens seine Eigenschaften behält. Das Datum ist kein Verfallsdatum oder letztes Verbrauchsdatum, das Lebensmittel kann nach Ablauf durchaus noch in Ordnung sein. Hängt bei einem Lebensmittel die Mindesthaltbarkeit von bestimmten Bedingungen ab, müssen sie entsprechend gekennzeichnet sein. Zum Beispiel bei Milch: „Bei +8° C mindestens haltbar bis“.
Ohne Mindesthaltbarkeitsdatum dürfen verkauft werden: Verpacktes Frischobst und -gemüse, Wein, Schokolade, Zucker, Salz, Kaugummi, bestimmte Zuckerwaren und manche Backwaren.

Hersteller-, Preis- und Mengenangaben

Auf der Lebensmittelverpackung müssen der Name oder die Firma und die Anschrift des Herstellers, Verpackers oder Verkäufers angegeben sein. Außerdem muss für den Fall einer Reklamation eine Chargennummer auf der Packung stehen.

Den Preis muss der Hersteller in zwei verschiedenen Einheiten angeben: einmal als Einzel- oder Endpreis und einmal als Grundpreis pro Mengeneinheit (pro Kilogramm oder Liter).

Der tatsächliche Inhalt ist bei den unterschiedlichen Verpackungsformen oft nur schwer zu erahnen. Die Angabe der Füllmenge ist deshalb Pflicht auf verpackten Lebensmitteln. Dabei sind feste Lebensmittel in Gramm oder Kilogramm und flüssige in Milliliter oder Liter anzugeben.

Zusatzangaben

Bei der Zutatenliste finden sich häufig zusätzlich Nährwertangaben. Hier sind die drei wichtigsten Nährstoffe Eiweiß bzw. Proteine, Kohlenhydrate und Fette mit ihrem Gewichtsanteil auf 100 g oder 100 ml des betreffenden Lebensmittels angegeben. Der Eiweißanteil der Angabe bezeichnet Proteine im Allgemeinen, nicht etwa Hühnereiweiß. Zusammen mit den Angaben ist meist auch der Energiewert von 100 g oder 100 ml des Lebensmittels in kcal oder kJ verzeichnet.

Vorsicht, Trickkiste!

Manche Zutaten haben beim Verbraucher einen schlechten Ruf – zum Beispiel übertriebene Mengen Zucker. Deshalb greifen Lebensmittelhersteller zuweilen in ihre Trickkiste, um die enthaltene Menge zu verschleiern. Die folgenden Tipps helfen Ihnen, solchen Tricks auf die Spur zu kommen.

Auf die Reihenfolge achten

Die Reihenfolge der Zutaten in der Zutatenliste gibt an, welche Zutat den höchsten und welche den geringsten Gewichtsanteil im Produkt hat. Ein Beispiel: „Zutaten: Wasser, … , Zucker“. Das Produkt enthält mehr Wasser als Zucker, weil Wasser an erster Stelle steht.

Vorsicht bei Zucker

Die tatsächliche Menge mancher Zutaten wie Zucker lässt sich auf dem Etikett gut tarnen. Hinter den folgenden Bezeichnungen versteckt sich Zucker in unterschiedlicher Form: Fruktose oder Fruchtzucker, Glukose oder Traubenzucker, Maltose oder Malzzucker, Oligofruktose, Galaktose, Invertzucker, Saccharose, Laktose oder Milchzucker und alle Stärkezucker wie Stärkesirup, Maltodextrin, Maltosesirup, Dextrose, Glukosesirup, Dextrosesirup und Fruktosesirup.

Alle Zucker enthalten nahezu gleichwertige Kalorienmengen wie der handelsübliche Haushaltszucker und können ebenso wie dieser Karies verursachen.

Wenn also mehrere Süßungsmittel bei der Herstellung verwendet wurden, tauchen sie zwar einzeln am Ende der Zutatenliste auf, können aber zusammen eine viel größere Menge im Produkt ausmachen.

Vorsicht bei Milchproteinen

Sie kommen oft versteckt in Lebensmitteln vor. Hinter den folgenden Bezeichnungen verbergen sich Milchproteine: Lactoglobulin, Casein, Lactoserum, Lactalbumin, hydrolysierte Milch, Crème fraîche, Sauerrahm, Joghurt, Vollmilchpulver, Magermilchpulver, Kondensmilch, Buttermilch.

Prozentualen Anteil beachten

Verpackungen sind meist liebevoll gestaltet und präsentieren das enthaltene Produkt auf bestmögliche Weise – mit Worten, Bildern und Grafiken. Dem Gesetz entsprechend müssen die abgebildeten Zutaten aber auch mit ihrem prozentualen Anteil im Produkt angegeben werden. Und das ist gut so. Denn die Bilder auf den Verpackungen sind oft irreführend. Zum Beispiel enthalten Fertigprodukte wie Tütensuppen häufig deutlich weniger Fleisch als die Abbildungen erwarten lassen.

Tückische Gesetzeslücken

Leider gibt es noch immer Lücken in der Deklarationspflicht. Das Zutatenverzeichnis eines Produktes kann unvollständig sein, weil nur die Inhalts- und Hilfsstoffe angegeben werden müssen, die der Hersteller des Lebensmittels verwendet hat. Welche Substanzen bereits in den eingekauften Rohstoffen enthalten sind, erfährt der Verbraucher nicht.

Der sicherste Weg, Zusätze wie unbekannte Binde-, Gleit- und Färbemittel, Coatings (Überzüge) und Füllstoffe zu vermeiden, ist: Frische Lebensmittel direkt vom Erzeuger oder von Händlern beziehen, die sich für eine hypoallergene Herstellung auf der Basis einer geprüften Reinstoffqualität verbürgen.

Was heißt eigentlich…?

„Fett i.Tr.“

Die Abkürzung gibt den Fettgehalt eines Käses oder ähnlichen Produkts in der Trockenmasse an. Lassen Sie sich davon nicht täuschen: Während der Käse reift und lagert, verdunstet Wasser und der Käse verliert an Gewicht. Die Fettangabe bezogen auf das Gewicht des Käses ändert sich also ständig. Tatsächlich beträgt der absolute Fettgehalt des Produkts nur etwa die Hälfte des Fettgehaltes in der Trockenmasse.

„Kalorienreduziert/-arm“ - „brennwertvermindert

Die Bezeichnungen kennzeichnen ein um 40 Prozent kalorienverringertes Produkt im Vergleich zu nicht kalorienreduzierten Lebensmitteln.

„Light“ oder „leicht“

Die Begriffe sind nicht lebensmittelrechtlich geschützt, sie können also verschiedene Bedeutungen haben: „Light“ kann kalorienarm, alkoholreduziert, fettarm, zuckerreduziert oder leicht bekömmlich heißen.

„Fruchtsaft“

Fruchtsaft muss zu 100 Prozent aus Früchten bestehen. Zu den Früchten gehören Kern-, Beeren- und Steinobst, Trauben und Südfrüchte.

„Fruchtnektar“

Fruchtnektar enthält mindestens 50 Prozent Fruchtsaft oder Fruchtmark.

„Fruchtsaftgetränke“

Sind die Namen der einzelnen Frucht genannt – wie bei Orangensaftgetränk oder Ananasgetränk –, müssen mindestens 30 Prozent des Fruchtsaftes enthalten sein. Fruchtsaftgetränke aus Zitrusfrüchten müssen mindestens sechs Prozent Fruchtsaft einer oder mehrerer Zitrusfrüchte wie Zitrone, Orange oder Grapefruit enthalten.

„Natürliches Mineralwasser“

Den Namen dürfen ausschließlich amtlich anerkannte Mineralwasser tragen, die mindestens 1000 mg gelöste Mineralsalze und 250 mg Kohlensäure pro Liter enthalten. Magnesiumhaltige Mineralwasser müssen mindestens 50 mg Magnesium pro Liter enthalten; kalziumhaltige Wasser mindestens 150 mg Kalzium pro Liter.

Vorsicht „FoodDesign“

„Food Design“ klingt modern und treibt oft seltsame Blüten. Beispiele sind Krebsfleischimitat aus Hühnereiweiß, Glycerin und Reiswein, Erfrischungsgetränke mit Fettsäuren und Käse mit Sojabestandteilen. Ein Blick auf die Zutatenliste bringt Klarheit: Je länger die Liste und je unbekannter die aufgeführten Zutaten, desto eher handelt es sich um ein Produkt aus dem Labor der Lebensmittel-Designer.

Im Dschungel der Zeichen und Siegel

Was bedeuten eigentlich die vielen Gütesiegel, Herkunftszeichen und Symbole auf den Lebensmittelverpackungen? Der Anblick der Zeichen weckt beim Verbraucher automatisch Qualitätserwartungen – allerdings ist das nicht immer angebracht. Je nach Interessenlage und Blickwinkel kann die Auffassung von Qualität ganz unterschiedlich sein. Was Hersteller oder Verarbeiter mit einem Qualitätssiegel auszeichnen, muss nicht unbedingt ein Indiz für die Qualität sein, die sich der Verbraucher wünscht.

Gütezeichen

Die Kennzeichnung von Lebensmitteln mit Gütezeichen ist immer freiwillig. Die Qualitätsanforderungen für ein spezielles Zeichen richten sich dabei nach bestehenden gesetzlichen Vorschriften. Beispielsweise beurteilt das CMA-Gütezeichen vorrangig die äußere Qualität wie Farbe, Konsistenz, Geruch und Geschmack der Lebensmittel.

Ein relativ neues Gütesiegel ist das QS-Zeichen für Qualität und Sicherheit bei frischen Fleisch- und Wurstwaren. Trägt ein Produkt das Prüfzeichen, entspricht es den gesetzlichen Mindestanforderungen. Das QS-Zeichen wurde von der QS GmbH gegründet, einer Gesellschaft der konventionellen Agrar- und Ernährungswirtschaft.

Das DLG-Siegel (Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft) dient hauptsächlich Werbezwecken von Landwirten und Händlern und erfüllt die Mindestanforderungen des Gesetzgebers.

Kennzeichnung ökologisch erzeugter Lebensmittel

Erzeugung und Verarbeitung von Öko-Lebensmitteln sind durch EU-Richtlinien genau geregelt. Bezeichnungen wie „aus eigenem, naturnahem Anbau“, „unbehandelt“, „ungespritzt“ oder „ohne Kunstdünger“ haben dagegen keinerlei Aussagekraft, da sie nicht klar definiert und geschützt sind. Das Gleiche gilt für Aussagen wie „kontrollierter Anbau“ oder „integrierter Pflanzenbau“.

Auf ökologisch erzeugten Lebensmitteln, die in Deutschland hergestellt oder verpackt wurden, befindet sich ein offizieller Kontrollvermerk. Er enthält die Codenummer der zuständigen Kontrollstelle (z.B. DE=099-Öko-Kontrollstelle). Auf Öko-Lebensmitteln anderer EU-Staaten kann auch der Name der Kontrollstelle selbst angegeben sein. Die Produkte erfüllen die Anforderungen der Öko-Verordnung. Die Mindeststandards für Anbau und Verarbeitung von pflanzlichen und tierischen Produkten und die Kontrolle der Betriebe sowie die Kennzeichnung werden über die Verordnung geregelt. Noch strengere Maßstäbe haben sich die Anbauverbände verordnet. Ihre Produkte sind an ihrem jeweiligen Warenzeichen wie Demeter, ANOG, Bioland oder Naturland erkennbar.


Weitere Informationen

Darmflora

- was sagen Darmbakterien über die Funktionsfähigkeit meines Darms und meines Immunsystems aus?

Ernährung

- Empfehlungen für eine bewusste und auf individuelle Bedürfnisse abgestimmte Ernährung

Institut für Mikroökologie

Folgen Sie uns auf

  Facebook